Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 382
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DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN

bleiben die Priester dieselben. Einer derselben, der Thebaner
a? ’Icr[A£tvü4£Tao ist aber auch sonst und zwar in der or-
chomeniscben Inschrift (Larfeld 15) als Böotarch und in der
platäischen Inschrift (eb. 273) erwähnt. Die erstgenannte In-
schrift muss älter als 171 v. Chr. sein, die zweite wird um
200 gesetzt. Hiermit ist auch die Zeit unserer Inschrift ge-
geben.

Sprachlich ist die Form SuoSoXot (Z. 9) auffallend, welche
indessen ihr genaues Analogon an 'T£vto£(oX)cd<; (Z. 37), wie
wohl zu lesen sein wird, findet. Die Weihungen sind im Gan-
zen äusserst bescheiden und gehen der Mehrzahl nach von
Frauen aus. Bloss bei einer einzigen Weihenden der AuTocp
Aapiwvos (Z. 7 f.) ist das Ethnikon ©eicrkv/m genannt. Die an-
deren sind daher wohl alle Thebaner. Dass nur Weihungen
aus Theben und dem dem Kabirenheiligtume gleichfalls nahe
gelegenen Thespiae Vorkommen, spricht wieder für den auch
aus anderen Gründen erschliessbaren lokalen Charakter dieses
Heiligtumes.

Als Überschrift zu den jährlich neu hinzugekommenen
Weihungen steht e-tocvOetoc, dem attischen entsprechend.

Hier ist also nicht, wie Suidas sagt, dcvotOavai und ibravaÖEivca
t6 auro. Schwierigkeiten macht nur das Verzeichniss des drit-
ten Jahres. Zunächst ist unklar, was die 7Txpaxa.T<xö^>o) ist, die
der Wechsler Nikodamos geweiht hat. In den attischen Schatz-
listen findet man C. I. A. II 660 Z. 50 eine TtapaxaTafhr/.y)
’AO'ovaA?, ebd. 661 Z. 18 eine 7c]apax,a.Ta0f/)cy), deren Gewicht
auf 404 Dr. 3 Obolen angegeben wird, 667 Z. 42 wieder die
TrapaxaTaöAAAj ’AÖr/vaA? und endlich 672 ex t]ou pirptpou 7üa-
paxaTa07)K7), was sich wahrscheinlich auf die unmittelbar vor-
her aufgeführten metallenen Gegenstände im Gewichte von
1650 Dr., die mit dem Staatssiegel gesiegelt waren, bezieht.
Man sieht leicht, dass alle diese TrapaxaTaOrixoa eine andere
Deutung zulassen, als die in den vorliegenden Listen erwähnte
nahelegt, welche man zunächst als ein Depositum, das beim
Wechsler Nikodamos von Puthion erlegt war, oder als ein
Pfand, das der Wechsler von diesem genommen hatte, erklären
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