Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 393
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DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN

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Zustand des Dialektes nötigt aber in der Datirung noch wei-
ter herabzugehen und dieselbe etwa dem 3. Jahrhundert zuzu-
weisen, wogegen die Form der Buchstaben nicht spricht, so-
weit sie bei der angewendeten Punktirnngstechnik erkennbar
ist. Im jonischen Alphabet ist ferner die Inschrift der Pan-
statuette (N° 22) geschrieben, in welcher bereits D vorkommt.
Dialekt und Buchstabenform weisen auf das vierte Jahrhun-
dert, nicht weit ab von der Zeit der Reception des jonischen
Alphabets.

Eine besondere Erwähnung verdient ferner die Inschrift
21, welche ein sicheres Urteil durch die Lässigkeit, mit der
sie hingeworfen ist. erschwert. Sie verrät ausserordentlich
junge Züge in den Buchstabenformen (z. B. (j> Y und andere) und
könnte erheblich später angesetzt werden, wenn die vorläufig
einzig möglich scheinende Lesung nicht in der ersten Zeile ov
in der Wertung von uv anzusetzen nötigte. So muss sie denn
in die letzte Zeit des vorjonischen Alphabets gesetzt werden.
N° 20 scheint ebenfalls etwas jünger (obgleich vorjonisch) zu
sein.

Die Masse der Inschriften ist aber in allem Wesentlichen
gleichartig geschrieben und weist das in Böotien vom Ende des
sechsten bis über den Anfang des vierten Jahrhunderts übli-
che Alphabet auf. Eine höhere Datirung wird durch die durch-
wegs rechtsläufige1 Schrift verboten. Auch findet sich fast
immer die offene Form des H, nur N° 1 hat die geschlossene,
dürfte also nach den bisherigen epigraphischen Erfahrungen
die älteste sein.

Ferner wird für drei Inschriften (4, 5, 6) ein erheblich jün-
geres Datum als die Mitte des fünften Jahrhundert durch die
alte Form des Theta mit dem Kreuze in der Mitte ausgeschlos-

1 N° 2 hat allerdings KVBIBO. Allein der Umsland dass sich diese In-
H IA ROl

schrifl auf dem Rücken des Stieres befindet und ihre Anordnung Schwie-
rigkeiten machte, lässt die Annahme zulässig erscheinen, dass die Schrei-
bung KaStpo in linksläufiger Schrift entweder nicht beabsichtigt war oder
doch nichts zu sagen hat.
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