Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 411
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DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN

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men ’Axptöiov zeichnen sich beide durch kleine dünne wie von
fetter Hand geschriebene Schrift aus.

Ist diese Beobachtung richtig, so rühren die genannten
von namensgleichen Personen geschriebenen Aufschriften auch
von identischen Personen her. Die Aufschriften sind dann
auch wahrscheinlich von den Dedikanten selbst geschrieben.

Müssig wäre es, Schriftidentitäten zwischen solchen Auf-
schriften zu suchen, welche keine erkennbaren Namen tragen.
Bei solchen, welche bloss Formeln wie KaAtp« oder H I haben,
mag die etwa vorkommende Schriftidentität davon herrühren,
dass diese Vasen vom Tempelbeamten beschrieben worden
sein können.

Was das Alphabet und den Schriftcharakter dieser Inschrif-
ten anbelangt, so bilden sie auch in dieser Hinsicht eine im
Ganzen homogene Masse. Eine verschwindend kleine Anzahl
ist im jonischen Alphabet abgefasst. Dies ist der Fall hei N°.
80, einer Inschrift, die sich auf einem grossen schwarz ge-
firnissten Gefäss befindet, das oben eine kleine Spur rot ge-
lassenen Grundes trägt und 'Epgoüoc Kacg-.v . . lautet. Obgleich
kein charakteristischer Buchstabe des jonischen Alphabets vor-
kommt, lehrt doch die entwickelte Form der Buchstaben E P
£ M sowie der allerdings nur mit Wahrscheinlichkeit anzu-
nehmende Umstand, dass das Zeichen für den rauhen Hauch
fehlte, dass die Inschrift der Zeit der Herrschaft des jonischen
Alphabets zuzuweisen ist. Zu vermuten ist ein Gleiches bei
drei unbedeutenden hier nicht aufgezählten Scherben, wo E
und P in eleganter Ausführung begegnen.

Sicher steht es bei einer hier gleichfalls nicht aufgezählten
Inschrift, welche auf einem Bruchstück vom Rande eines Ge-
lasses steht, auf dem ein kleines aufsitzt. Dieselbe lautet toi
KaSipoi] ’Aattyrfoclwpo?, hat also das CI, ebenso wie eine andere
weiss aufgemalte . . Vcopo? K«[6(poi, und eine dritte, die Bei-
schrift KYftN neben einem bärtigen Kopfe.

Alle anderen Inschriften gehören entweder sicher dem böo-
tischen Alphabet an oder es lässt sich wenigstens kein irgend
sicheres Merkmal für die Anwendung des jonischen finden.
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