Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 412
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DAS KABIRENHEILI&TUM BEI THEBEN

Versucht man innerhalb dieser Inschriften böotischen Al-
phabets eine chronologische Scheidung vorzunehmen, so wird
zunächst diejenige Gruppe als jünger auszuscheiden sein,
welche das Theta mit dem Punkte statt mit dem Kreuze in
der Mitte bildet. Denn wenn auch beide Formen eine Zeit
lang neben einander gegangen sein mögen, so dürfte doch das
O nicht vor der Mitte des fünften Jahrhunderts aufgekommen
sein. Es begegnet auf der gemalten Inschrift 40 (Athen. Mitth.
XIII S. 417) neben den jungen Formen €E/AAN, auf einer
anderen neben E, ferner einmal neben N, und auf einer vier-
ten neben älteren Formen. Die letztere sei hier mitgeteilt:

93.

Die drei erstgenannten Inschriften mit O gehören wohl der
Zeit unmittelbar vor Reception des jonischen Alphabetes an.
Ein weiteres Zeichen für die relative Jugend der Inschriften
ist die jonische Form des Pi (P) gegenüber den böotischen
Formen n h , welch letztere in der Ritztechnik nicht selten
die Form A annimmt, ferner das breit gebildete vierstrichige
£ im Gegensätze zum alten böotischen Sigma. Das breite
vierstrichige d. h. jonische Sigma findet sich ebenso wie das
dreistrichige ^ neben P. Die junge Form des P findet sich auf
neun Inschriften, von welchen oben N°. 61, 75, 77 und 85
mitgeteilt sind, ebenso steht es auf der Kabirenvase (Athen.
Mitth. XIII, Taf. X) neben 5!. Diese Vase ist von Winnefeld
(ebenda S. 424) aus stilistischen Gründen dem vierten Jahr-
hundert zugewiesen worden. Aus epigraphischen Gründen
wird man daran festhalten müssen, dass diese Vase, da ihr
Lambda und Rho der Zeit des böotischen Alphabets angehört,
nicht wohl jünger als das erste Drittel des vierten Jahrhun-
derts sein kann, dass sie aber mit Rücksicht auf ihr P und €
und wohl auch A der spätesten Zeit des böotischen Alphabets
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