Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 434
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434 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS

Phil. Er vergleicht diese mit andern Inschriften, wie z. B. C.
I. A. II 649, 652, 654, 657 und 660, in welchen angeführt
wird CTscpavo? ^pucou?, ov 7) Ntxy) lyv. etci triq xsoaXrjt; rj ini ttic
yj’-poc; zoü ayaXgaTOi; tou y_pu<7ou und schliesst daraus, dass jene
einzelnen Blätter von dem Kranze des Goldelfenbeinhildes des
Phidias herrührten. Er fährt dann fort: ‘Wenn nun das im
Hekatompedon befindliche Agalma nicht verschieden wäre
von dem goldenen Agalma, so würden wir gezwungen sein
anzunehmen, dass dieselbe Behörde für dasselbe Bild einmal
den amtlichen und ein anderes Mal den nicht amtlichen Na-
men gebraucht hätte’. Wie das aus den angeführten Inschrif-
ten folgen soll, verstehe ich nicht; mir scheint aus denselben
vielmehr das Gegenteil hervorzugehen. Denn wenn die Schatz-
Verwalter bei der Aufzählung der im Hekatompedos befind-
lichen Gegenstände von einem Agalma schlechthin sprechen
und wir auf anderem Wege bestimmen können, dass sie das
goldene Bild des Phidias meinen, so folgt doch daraus, dass
im Hekatompedos kein anderes Bild als eben jenes des Phidias
gestanden hat.

Den beiden Gegengründen Lolling’s können wir also keine
Beweiskraft zugestehen. Das im Hekatompedos befindliche
Agalma ist thatsächlich mit dem Goldelfenbeinbilde des Phi-
dias identisch; der Neos Hekatompedos ist also die Cella des
grossen Tempels und nicht der alte Tempel.

8) Zu demselben Resultat führen uns auch die bestimmten
Angaben der Schriftsteller, besonders der Lexikographen. Sie
berichten übereinstimmend, dass der Parthenon auch Hekatom-
pedos oder Hekatompedon genannt worden sei (vergl. Michae-
lis, Parthenon, Anm. 68 und Paus, descr. arcis. Athenarum
S. 13). Lölling nimmt an, dass alle diese Schriftsteller und
ihre Gewährsmänner sich geirrt haben, während sie nach un-
serer Ansicht im Wesentlichen Richtiges melden. Wie man
den Namen Parthenon von der Hintercella später auf den gan-
zen Tempel übertrug, so wurde auch der Name der Ostcella,
Hekatompedos, später für den ganzen Tempel benutzt.

Wenn z. B. Plutarch den Tempel des Perikies an verschie-
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