Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 439
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.41
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.46
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DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 439

sanias von einem Tempel auf der Burg redet und behauptet
weiter, jener Tempel wäre inzwischen abgebrochen worden. Für
mich ist es über jeden Zweifel erhaben, dass Pausanias den
alten Tempel noch gesehen hat, dass er ihn namentlich I 24, 3
erwähnt, dass uns aber die weitere Beschreibung in der dort
allgemein anerkannten Lücke verloren gegangen ist.

Die Zerstörung des alten Tempels wird erst erfolgt sein,
als auch die übrigen zahlreichen Bauwerke auf der Burg ab-
getragen worden sind. Dass der Tempel nicht im Altertum
vollständig abgebrochen, und seine Baustelle nicht zum Bezirk
des Erechtheion hinzugezogen wurde, wird schon durch die
bisher nicht genügend beachtete Thatsache bewiesen, dass
nicht nur die Unterstufe des Tempels, sondern auch ein Stein
des Stylobates sich noch jetzt an ihrer alten Stelle befinden,
und mehrere Stylobatsteine noch jetzt auf dem Tempel her-
umliegen. Hat aber ein Teil des Stufenunterbaues noch bis
zum Mittelalter bestanden, so muss in römischer Zeit noch
der ganze Stylobat des Tempels, mit Ausnahme natürlich des
vom Erechtheion weggeschnittenen Teiles, über dem antiken
Fussboden vorhanden gewesen sein. Der Tempel ist also in
antiker Zeit nicht vollständig abgebrochen worden.

Die von Lölling veröffentlichte Inschrift erweitert demnach
unsere Kenntniss des alten Athenatempels in erfreulicher Wei-
se. Sie lehrt uns z. B., dass der ganze Bau im 6. Jahrhundert
Hekatompedon hiess, dass sein Hinterhaus als Tamieion diente
und dass dasselbe mehrere Kammern enthielt. Dass aber die
Veränderung in der Benennung der verschiedenen Athena-
Tempel und ihrer einzelnen Teile, welche Lölling für das 5.
und 4. Jahrhundert vorgeschlagen hat, undurchführbar ist,
glaube ich erwiesen zu haben.

WILHELM DÖRPFELD.
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