Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 2
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M. BIEBER

1 .

Von dem ersten Relief, das auf Tafel I 2 nach dem Ori-
ginal und in Abb. 1 nach dem Gipsabguss (Fried erichs-Wol-
ters Nr. 1140) abgebildet wird, ist nur die rechte untere Ecke
erhalten (H. 0,285, B. 0,34 m). In der Höhe wird nicht viel
fehlen. Der Breite nach ist dagegen mehr als die Hälfte ver-
loren, da der vorauszusetzende Mittelzapfen noch fehlt. Das
Relief war in der üblichen Weise durch Bodenleiste, Parasta-
den und Gebälk umrahmt. Kenntlich sind die Fussleiste und
der rechte Eckpfeiler hinter dem korbtragenden Mädchen.
Die Oberfläche ist nicht nur sehr verwittert, sondern auch
teilweise abgesplittert, z. B. der Oberkörper des jüngeren
Kindes. Der Marmor ist pentelisch.

Eine adorierende Familie naht von rechts. Voran schrei-
tet ein bärtiger Mann mit dem Mantel um Unterkörper und
linke Schulter. Es folgt eine Frau im doppelten Chiton. Der
Oberkörper ist mitsamt den Armen in ein Himation gehüllt.
Den Kopf bedeckt ein Kredemnon. Am Rand (vor der Para-
stas) steht ein erwachsenes Mädchen. Sie hat über dem Chi-
ton einen schräge umgelegten Mantel; auf dem Kopf trägt
sie eine grosse Ciste und stützt sie mit ihrer rechten Hand.
Im Vordergrund schreiten zwei Kinder; sie sind in grosse
Mäntel gehüllt, deren Zipfel vom linken Arm bis auf den
Boden hängen. Das kleinere Kind geht zwischen Vater und
Mutter, das grössere — nach dem langen offenen Haar ein
Mädchen — neben der erwachsenen Schwester. Mann, Frau
und vielleicht auch das jüngste Kind machen den Gestus der
Adoration. Diese ganze Gruppe unterscheidet sich in nichts
von unzähligen anderen auf attischen Votivreliefs.

Der Rest der Darstellung ist dagegen durchaus unge-
wöhnlich. Asklepios sitzt auf einem hohen Sitz, über den eine
Decke gebreitet ist. Der rechte Fuss berührt gerade mit den
Zehen den Boden. Das linke Bein ist über das rechte geschla-
gen. Ein Mantel bedeckt den Unterkörper, den Rücken und
den linken Oberarm. An der linken Schulter lehnt ein Stab,
den die Hand gefasst hat. Da der Stock hier endet, muss
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