Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

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M. BIEBER

Teile zeigen im Allgemeinen dieselbe Bewegung. Naher ste-
hen dem Casseler Relief einige attische Vasenbilder, so eine
weissgrundige Lekythos in Bonn (Arch. Jahrb. XXII 1907
Taf. III), auf der ein Jüngling einen Hasen verfolgt. Das
Tier flüchtet wie der Hirsch einen Hügel herauf. Der Jäger
schreitet in derselben Weise aus und holt ebenso mit der
Waffe aus wie die Artemis. Es fehlt noch die enge Verbin-
dung zwischen Verfolger und Wild. Diese zeigt die Gruppe
des Apoll, der den Hirsch am Altar tötet, auf der Rückseite
des polygnotischen Theseus-Kraters (Mon. dell’Inst. Supple-
mento Tav. XXII), und die der Artemis, welche ein zusam-
mengebrochenes Reh mit der linken Hand am Ohr packt
und mit der rechten drohend eine Fackel erhebt, auf der
Pelike spätschönen Stils in London (Taf. III, British Museum
Catalogue III C 432 S.264) 1. Wie immer, stellt sich auch hier
das Relief enger zur Malerei, die in der Ausbildung des for-
malen Motivs vorangegangen ist2.

Das Casseler Relief setzt die Skulpturen des Parthenon
voraus und stellt sich zu Werken aus der Schule des Phidias.
Der Chiton der Artemis ist angeordnet wie zuerst bei der
Athena Parthenos. Der Mantel liegt auf den Schultern wie
bei den dem Alkamenes zugeschriebenen Statuen der Deme-
ter in Berlin (Beschreibung der antiken Skulpturen Nr. 178),
der Demeter in der Sala rotonda des Vaticans (Nr. 542, Hel-
big Nr. 304; Brunn-Bruckmann Taf. 172) und der Hera oder
Demeter im Capitol (Salone Nr. 24, Helbig Nr. 519; Brunn-
Bruckmann Tafel 358; vgl. Amelung, Führer d. d. Ant. v.

' Panofka, Archaeologische Zeitung IV 1846 Taf. XLVI Sp. 345 ff.,
V 1 847, 76 ff.; Lenormant et de Witte, Elite ceramographique II pl. XCII
S. 300 ff. ; Overbeck, Kunstmythologie Apollo S. 335 Nr. 106, Atlas Taf. XXI
Nr. 27; Daremberg - Saglio III 143 Fig- 2371 ; Reinack, Repertoire des
vases peints I 360.

2 Eine Weiterbildung findet sich auf Münzen aus dem taurischen Cher-
sonnes, Sallet, Zeitschrift für Numismatik I 1874, 19 ff. Taf. I Nr. 3 aus der
Zeit um 300. Vgl. Panofka, Archaeologische Zeitung IV 1846, 349 Anm. 24
und Lenormant et de Witte, a. a. O. Anm. 4. Hier kniet Artemis wie die
stieropfernde Nike auf dem Tier und stösst ihm die Lanze senkrecht von
oben in den Nacken.
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