Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 11
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ATTISCHE RELIEFS IN CASSEL

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Flor. 141 f. Nr. 196). Der eigenartige hohe Schopf findet seine
beste Parallele in der Frisur der einen Peliade auf dem Me-
dea-Relief im Lateran (Helbig Nr. 655; Friederichs-Wolters
Nr. 1 200; Brunn - Bruckmann Taf. 341). Der Kopf ist ein echt
attischer Rundkopf. Das feingezeichnete Profil, das volle
runde Kinn, der weiche und doch betonte Haaransatz im
Nacken, der schlanke Hals, der so anmutig den Kopf trägt, er-
innern an die der Athena und der Artemis im Parthenon-Fries
(Brunn-Bruckmann Taf. 11 0 und 1 94). Auch die Form der run-
den Arme ist die gleiche wie bei jenen beiden Göttinnen.

Die geschwungenen Falten des Chitons, die infolge der
starken Bewegung der Artemis auf dem Casseler Relief ent-
stehen, sind ganz ähnlich denen an dem Gewand der Hebe
im Ostgiebel des Parthenon (Brunn-Bruckmann Taf. 189).
Vergleichbar sind besonders die Faltenzüge zwischen den
beiden Beinen. Auch die flatternden Mäntel der Krieger im
Fries des Niketempels (Brunn-Bruckmann Taf. 11 8), der etwa
gleichzeitig mit dem Parthenon - Fries entstanden ist, sind
ebenso gegeben wie die freiflatternden Teile der Gewandung
der Artemis.

Trotzdem ist zu bemerken, dass das Casseler Relief schon
eine leise Weiterbildung des Stils der Parthenon-Skulpturen
bedeutet. Die Falten sind zwar noch wie dort ruhig durch-
gezogen, aber sie sind schon ein ganz klein wenig mehr in
sich bewegt und geschwungen, etwas mehr variiert. Ich führe
dafür eine Einzelheit an. Bei der Hebe im Ostgiebel, wie bei
der Casseler Artemis, geht vom Knie des Vorgesetzten Fus-
ses ein Faltenpaar ab, das sich dann zu einer einzigen Falte
vereinigt. Am Gewand der Hebe verläuft diese grössere Falte
in gleichmässigem Zug nach unten und rückwärts. Dagegen
biegt sie am Chiton der Artemis nochmals nach vorn um
und legt sich, am Knöchel um das Fussgelenk.

Hiernach ist das Casseler Relief wohl bald nach Beendi-
gung der Parthenon-Skulpturen, also zu Beginn des pelopon-
nesischen Kriegs entstanden. In der That geht das Werk
nach der Technik und der feinen Zeichnung des flachen Re-
liefs gut mit Grabreliefs, kleinen Weihreliefs und Urkunden-
reliefs dieser Zeit zusammen. Ich nenne als Beispiel das Frag-
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