Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 14
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M. BIEBER

lia (Brunn-Bruckmann Taf. 86-91) haben noch viel schroffere
Faltenzüge. Die Linien sind bald stark gekrümmt, bald scharf
durchgezogen. Diese Künstler erstrebten vor allem Contrast-
wirkungen. Der attische Künstler des Artemis - Reliefs hatte
dagegen Freude an sanft geschwungenen, wohl abgewoge-
nen und in Einklang gebrachten Linien.

Das Artemis-Relief ist kein Votivpinax wie die beiden
vorigen Stücke. Es fehlt ihm der architektonische Rahmen.
Es hat nur unten eine schmale Fussleiste, oben ein noch
schmäleres Saumband. Beide sind sehr bestossen, können
aber nicht viel mehr vorgetreten sein als jetzt, denn das
Schöpfchen, das die Kopfleiste an einer verletzten Stelle
überschneidet, ist in seinen Contouren noch deutlich sichtbar.
Die Seitenränder haben keine Einfassung. Aussen sind sie
oberflächlich geglättet. Dabei findet sich keine Spur der
Befestigung, kein Dübelloch, kein Zapfen. Nur ist 1 x/2 cm
links von der Mitte des oberen Randes ein rundes Loch von
ca. 2 cm Durchmesser sorgfältig eingebohrt. Das dünne Re-
lief (D. 5 cm) muss also beiderseits in rechteckige Falze ein-
geschoben worden sein. Das ist aber genau die Art, in der
skulpierte Metopen zwischen den Triglyphen befestigt wur-
den, insofern sie nicht mit diesen aus einem Stück gearbeitet
waren (Durm, Bauk. d. Griech. 118 ff.). Die ganze Herrich-
tung der Platte spricht dafür, dass sie einst als Metope diente.
Die reliefgeschmückten Metopen sind in der Regel dünn,
haben ein kleines Gesims und eine Fussleiste. Ihre Form ist
gewöhnlich quadratisch (Durm 115), doch kommt auch oft
ein breiteres Format und zuweilen das schmälere vor, letzte-
res z. B. am Zeustempel von Akragas (Durm 125) und am
Tempel C in Selinus1. Die Triglyphen, die die Artemis-Me-
tope einfassten, müssen verputzt gewesen sein, denn in der
Nähe der Seitenränder finden sich auf der Platte Mörtelspu-
ren. Das Relief kann nie eingemauert gewesen sein, denn
die Rückseite zeigt keinerlei Reste von Stuck. Auch der

1 Puchstein und Koldewey, Die griechischen Tempel in Unteritalien
und Sizilien 100 Abb. 73. Die Schmalheit der Metopen ist in Grossgriechen-
land ein Zeichen von Altertümlichkeit, vgl. S. 206.
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