Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 63
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PR AE HISTORISCHE FUNDE AUS THESSALIEN

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den worden (H. 3, Br. 5,3 cm), der vielleicht einst auf einem
Gefässdeckel oder -henkel sass. Innen ist er liohl. Zwei
Löcher bezeichnen die Augen, ein drittes den Mund.

Ein walzenförmiger Garnwdckel (L. 5,2 cm), der ganz
dem von Vollgraff (a. a. O. 37) publicierten gleicht, und ein
runder, glatter Spinnwirtel, beide aus Thon, bieten nichts
Bemerkenswertes. Um so merkwürdiger ist eine kahnför-
mige Thonschale, (Abb. 3, L. 10,5, Br. 6,1 cm), die durch einen
Steg in zwei ungleiche Hälften geteilt ist. Diesen Steg ent-
lang läuft eine Rinne. Man kann hier eine Nachbildung der
flachen Kähne erkennen, mit denen die ersten Einwohner
Thessalien dessen sumpfige, überschwemmte Niederungen
befahren haben mögen, wie dies ja in Thrakien noch in
historischer Zeit geschah (Herodot V 16; Tsuntas 21 f.). Da
in Tsangli Funde der Bronzezeit in so tiefen Schichten ganz
fehlen1, ist das hohe Alter unseres Thongeräts gesichert, und
es gewinnt als älteste Schiffsdarstellung auf griechischem
Boden, ja in Europa, eine ganz besondere Bedeutung.

Zwei thönerne mandel- und eiförmige Kugeln, wie sie
in prähistorischen Ansiedelungen häufig sind (Taoiivtou; 344 f.
vgl. 328 f.; 2cotr]Qid8r]i;, DEcpT]|i. ag^. 1908, 93; mehrere im Mu-
seum der <hAd[)xaio? '"Eraigeia in Halmyros), werden als
Schleudergeschosse gedient haben. Zwei geglättete Beile aus
schwarzem Trachyt (L. 4,1 und 5,5), einige Obsidianmesser-
clien und eines aus gelb und weiss gestreiftem Feuerstein
bilden die ganze Ausbeute an steinernem Gebrauchsgerät.

Aus Knochen bestehen drei Bruchstücke von Reifen oder
Armbändern, ein zerbrochener kleiner Ring und ein Pfriemen
(jetz. L. 8,7 cm). Endlich sind hier einige Hormos - Perlen
anzuführen: eine elliptische aus gelbem Bergkristall mit roten
Punkten, eine eiförmige aus blauweissem Achat, drei Corna-
linperlen, deren eine eingeritzte und weiss gefüllte Wellen-
linien trägt; eine marmorne und eine vierkantige aus rotem
Stein mit grünen Stellen (4 X 2,3 X 1,5 cm). Dazu kommen
zwei linsenförmige, undurchbohrte graue Steine.

Die gefundenen Vasen umfassen, ausser fünf unverzier-

In den oberen Schichten bezeugt sie Tsuntas.
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