Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 66
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B. SAUER

zu erkennen, vermag ich nicht einleuchtend zu erklären; je-
denfalls beweist auch sie, dass der Torso darauf eingerichtet
war, auf dieser Fläche zu ruhen. Und das Überraschende war,
dass er wirklich auf dieser seiner bisher verkannten Lager-
fläche vortrefflich sicher ruhte, sodass ich mit gutem Gewis-
sen raten konnte, die früher für nötig gehaltene Stützleiste
auf die Dauer zu entfernen.

Obwohl das Stück seine Stellung gegen früher nur we-
nig geändert hat, tritt seine Eigenart jetzt viel markanter
hervor. Niemand wird daran denken, dass dieser Leib einer
ruhig aufrecht und geradeaus sitzenden Figur angehörte, nie-
mand die gekünstelte Stellung verkennen, die allein schon
den Gedanken rechtfertigt, das Fragment in eine Giebel-
gruppe zu setzen. Doch sehen wir weiter, wie die Beweise
dafür sich mehren.

Der Torso ist in seiner richtigen Aufstellung 0,84 m
hoch; rückt man ihn ferner so, dass die sorgsam ausgearbei-
teten und die vernachlässigten Seiten in einleuchtend rich-
tige Lage kommen, so ergibt sich die grösste Breite von 0,50-
0,51 m, die grösste Tiefe von 0,55 m, wobei der am weitesten
zurückliegende Punkt in der erhaltenen Rückenfläche gele-
gen ist, während näher am Boden hinten wie vorn jetzt Bruch
ist, ursprünglich also das Stück noch grössere Tiefe hatte.
Das Fragment besteht aus penteliscliem Marmor der Parthenon-
sorte, zeigt die typische Verwitterung und massige Patina.

Die Vorderansicht (Taf. VII) hebt sich durch sorgfältige
Arbeit sehr deutlich heraus; ja so knapp ist die Ausdehnung
der bestgearbeiteten Fläche, so nahe rücken an sie die schon
vernachlässigten heran, dass eine wesentliche Drehung nach
links oder rechts gar nicht möglich ist; jedenfalls wirkte die
Vorderansicht ungefähr so wie auf unserer Tafel. Die linke
Körperseite mit gut ausgearbeitetem Rippenkorb und Säge-
muskeln (Abb. 1) wird sofort weiter unten zu einer ganz ein-
fachen, unmodellierten schrägen Fläche, war also darauf be-
rechnet, von hier nicht genau sichtbar zu sein. Von der rech-
ten Körperseite (x^bb. 2) ist fast nichts erhalten, aber das we-
nige lässt erkennen, dass auch hier die Vernachlässigung
schnell eintrat. Denn wiederum ist die Flanke nicht im Ein-
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