Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 73
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EIN ALTES PARTHENONPROBLEM

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eine nicht ganz sichere Leere, Stemmloch zn B, Reste

roter Farbe.’

Zunächst ist klar, dass unsere ursprünglich recht tiefe
Figur die ganze Tiefe (0,90 m) des Geisons ausnützen, also
in der Tat ihre Plinthe weit nach hinten reichen musste; die
Spitzeisenspuren und das Stemmloch finden so durch unsere
Figur volle Erklärung. Auch das Stemmloch an der vorderen
Ecke des Nachbarblockes 5 mag sich eher auf unsere Figur
als auf BC beziehen, der kleine Rest einer Leere mit der be-
sonderen Zurichtung der Ecke ihrer Lagerfläche Zusammen-
hängen. Aber von entscheidender Bedeutung ist, dass der ver-
schwundene linke Arm unserer Figur, wenn er sich bis zum
Boden erstreckte, diesen eben da erreichte, wo der Giebelbo-
den das tiefe, ziemlich roh ausgearbeitete, dabei aber recht
charakteristisch geformte Loch aufweist. Ich habe es in mei-
ner Publication von 1891 noch unbestimmt gelassen, ob die-
ses Loch einen Teil von BC oder von A* aufnehmen sollte,
bin aber seit Jahren der Überzeugung, dass dieser Teil die
mit einer besonderen kleinen Plinthe versehene Hand von A*
war, genau so wie die flache Bettung hinter W für die linke
Hand von V hergerichtet war, nur mit dem Unterschied, dass
diese flach, jene geballt auflag. Unsere Figur verträgt sich
also vortrefflich mit den Spuren von A* und darf nun um so
sicherer den Anspruch erheben, mit dieser identisch zu sein.
Wiederholte Besichtigung des Standplatzes der Figur brachte
keine weitere Aufklärung. Denn leider fehlt die Möglichkeit
des Experiments, das beispielsweise bei A, D-E, selbst bei V,
besonders aber bei den Giebelgruppen des 'Theseion3 sich so
förderlich erweist. Von dem Hauptblock 4 fehlt so viel, dass
man ohne besondere Vorrichtungen, etwa einen Holzdeckel,
sich nicht auf den Boden lagern kann; so ist es ausgeschlos-
sen, die Stellung der Figur und ihr Verhältnis zu den Spuren
am eigenen Leibe auszuprobieren.

Ich glaubte meinen Beweis abgeschlossen, und als ich
Monate darauf in der Studierstube die Arbeit wieder auf-
nahm, war ich nicht wenig erstaunt von anderer Seite her
eine gewichtige Bestätigung meiner These zu gewinnen.
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