Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 77
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EIN ALTES PARTHENONPROBLEM

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gung, die Schwerzek, übrigens nur auf Grund eines Ver-
sehens, sich ausdachte \ so hätte man doch nicht gewagt,
das Motiv des aufgestützten linken Armes mit so geringen
Varianten dreimal nebeneinander zu setzen. Und schliesslich
bringen auch die spärlichen Gewänder von A und B keine
stärkeren Contraste in die Gruppe, die sich aus drei ähnlich
bewegten, nackten Männern zusammensetzt. Der Künstler
der Giebelgruppen erscheint uns also wieder einmal in etwas
anderem Lichte, als wir ihn zu sehen gewöhnt waren, eine
beherzigenswerte Mahnung, uns vor Dogmatisierung auch
wohl begründeter Forschungsergebnisse zu hüten.

Abb. 5. Nordecke des Westgiebels, reconstruiert.

Werfen wir jetzt von neuem die Frage auf, wie die
Figur im Einzelnen ausgestaltet war, so bleibt es allerdings
auch jetzt unsicher, wie der rechte Arm bewegt und tätig
war; dagegen darf man wohl vermuten, dass der Kopf dem
von A zugewendet war, ähnlich wie im Ostgiebel A und D,
im Westgiebel V und W und, wenn auch weniger entschie-
den, B und C ihre Köpfe einander zuwandten. Denn blickten
alle drei Figuren A, A*, B nach rechts, der Mitte zu, so würde
die ohnehin so aufdringliche Ähnlichkeit ihrer Bewegungs-

1 Erläuterungen zum Westgiebel 24 spricht er zweimal von einer 'aus-

gemeisselten Ecke hinter dem linken Arm von A1 * * * 5, womit wohl nur das

oben erwähnte tiefe Loch hinter B gemeint sein kann, das Schwerzek aus

Versehen einen Block weiter nach Norden verlegt hat. Jedenfalls müsste

auch er die Composition von A* umkehren, den linken Arm aufruhen lassen.
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