Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 88
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.4
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H. LATTERMANN

chen. Die Inschrift erlaubt uns nun, den Platz annähernd zu
bestimmen. Freilich die Forderung, den Canal in 20 Tagen
fertigzustellen (Z. 34), lässt eine genaue Ermittlung seiner
Länge und damit seines Ausgangspunktes nicht zu, weil wir
nicht wissen, wieviel Arbeiter der Unternehmer beschäftigte;
aber wenn wir annehmen, dass die einen den Graben ausho-
ben, andere die Steine herbeischafften, andere sie zurichte-
ten, andere sie verlegten, so werden wir die Fertigstellung
von 8-10 m täglich als eine angemessene Leistung bezeich-
nen dürfen; danach wäre also der Canal auf eine Länge von
(8-1 0) X 20=1 60-200 m berechnet gewesen. Eine so erhebliche
Länge stimmt auch gut zu der oben entwickelten techni-
schen Notwendigkeit. Gehen wir nun von der xatdßaou; um
rund 200 m nach SW., so treffen wir auf den Pronaos des
Tempels1; dass das Bad jenseits des Tempels gelegen habe,
wird schon dadurch ausgeschlossen, dass sich dort das Tal
sehr stark verengt; also müssen wir vor dem Tempel blei-
ben, in der Nachbarschaft des Altars und der heiligen Quelle,
wo man von vornherein am liebsten ein so berühmtes Bade-
haus ansetzen möchte. Weiter lehrt uns die Inschrift, dass
das Gebäude dicht an dem Sturzbach lag, durch einen Deich
von ihm getrennt; denn der Canal zieht sich, wenigstens zu
Anfang, unmittelbar am Fuss des Deiches entlang (Z. 10).
Schliesslich führen die technischen Erwägungen dazu, dem
Lutron eine sehr tiefe Lage anzuweisen, sodass sein Fuss-
boden sich nur wenig über die Sohle des Bachbettes erho-
ben haben konnte; denn sonst wäre es ein Leichtes gewe-
sen, die ursprüngliche kurze Leitung über dem Hochwasser-
spiegel münden zu lassen.

Selbstverständlich lag der 7\usgangspunkt des Canals,
auch für die Ausführung, am Lutron selbst, wobei man zu-
nächst an dessen NO-Seite denken wird; alsdann scheint die
Stelle hinreichend genau bestimmt zu sein. Tatsächlich fügt
aber die Inschrift hinzu (Z. 6 f.): dQ^dpevov daö ton atpcopato^

1 S. den Plan in den IlQromxd 1884 IIiv. E; etwas vollständiger ist der
Plan bei F. Dürrbach, De Oropo et Amphiarai sacro Paris 1890 Tab. II.
Vgl. auch Frazer, Pausanias II 467,
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