Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 103
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PHRATERN-VERBÄNDE AUF EINEM ATTISCHEN
HYPOTHEKENSTEIN.

Zu den Neuerwerbungen der epigraphischen Abteilung
im athenischen Nationalmuseum gehört ein aus der grossen
Zahl verwandter Denkmäler in mehr als einer Hinsicht sich
hervorhebender Horos-Stein, welchen, als er noch bei einem
Antikenhändler in der Aeolus-Strasse in Athen sich befand,
David M. Robinson im American Journal of Philology XXVIII
1907, 430 f. Nr. 4 mit kurzen, aber fördernden Erläuterungen
veröffentlicht hat. Es verlohnt sich auch nach dieser einsich-
tigen Publication, das kleine Denkmal, welches an seinem
neuen Aufstellungsorte mit mehr Müsse studiert werden kann,
in photographischer Reproduction und in einer Facsimile-
zeichnung mit stellenweise berichtigter Lesung zu wieder-
holen und zu erörtern, was wir daraus über die Gliederung
der attischen Phratrien zu lernen vermögen.

Die attische Provenienz des Horos ergibt sich sofort aus
Material und Inhalt. Über den Fundort vermochte ich, so
wünschenswert es gewesen wäre, Näheres nicht zu ermitteln;
angeblich wurde der Stein bereits vor etwa 15 Jahren von
dem Vater des letzten Besitzers erworben. Nach der unten
(S. 11 0) ausgeführten Vermutung könnte er aus dem Demos
Anaphlystos, also aus der Gegend von Laurion stammen.

Das Material ist, wie eine durch den Geologen Herrn
Prof. K. Mitsopulos freundlichst vorgenommene Besichtigung
ergab, plattiger weisser Marmor, der infolge Verwitterung
mit einem rötlichen Überzug bedeckt ist und ziemlich grosse,
glänzende rhomboedrische Krystalle zeigt. Nach Annahme
des Herrn Mitsopulos ist es sog. oberer attischer Marmor,
welcher — wie übrigens auch der "untere3 Marmor — auch im
Berglande von Laurion an verschiedenen Stellen vorkommt
(G. R. Lepsius, Griech. Marmorstudien 12. 30; derselbe, Geo-
log. Karte von Attika Bl. 9).
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