Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 108
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A. V. PREMERSTEIN

sei vor das Granarium gelegt wurde’, und die sonstigen daran
geknüpften Vermutungen endgiltig in Wegfall kommen.

Als eine zweite Kategorie erscheinen in unserer Inschrift
Z. 5 ff. cppdTEQeg oi petct ’E^axocupaTO^) ’AvaqA'u(ariO'u); Z. 11 ff.
cpQocxeQeg oi petd Nijy.jcövog ’AvacpÄ(uaTioo), also zwei Gruppen
von qpQctTEQeg \ die beide offenbar nach ihren derzeitigen Vor-
sitzenden benannt sind 1 2. Beidemale haben wir es keinesfalls
mit einer Phratrie als solcher zu tun, wobei etwa Eratostra-
tos und Nikon als die jährlich neugewählten cppcupiaQxoi zu
fassen wären: eine derartige dem Wechsel unterworfene
Namengebung würde in keiner Weise zu dem hohen Alter
und der öffentlichrechtlichen Bedeutung dieser aus Athens
Vorzeit stammenden Kultverbände passen. Vielmehr lauten
die sonst überlieferten Namen attischer Phratrien, wie ’A/paa-
Scu, ÄTpiotiGmöai, 0eQQix[Äei8]ai3, zumeist patronymisch 4, wor-
aus wir den Schluss ziehen dürfen, dass die Phratrien über-
wiegend nach hervorragenden Geschlechtern benannt waren5.
Aber auch an private Körperschaften nach Art der in der
späten hellenistischen und in der Kaiserzeit in Kleinasien
auftretenden qpQoctoQeg, deren Vereine vielfach nach dem an-

1 Dies — nicht cppdropeg— ist bekanntlich die correcte attische Form;
der Dativ dazu ist cppdrepoi. Vgl. Meisterhans-Schwyzer, Gramm, der att.
Inschriften 3 131 mit A. 1170; Kühner - Blass, Ausf. Gramm.2 I 1, 324. 498;
Hermann-Thumser, St.-Alt. II6 319,2. Zu dem Fehlen des Artikels vor cppa-
tepai s. O. Schulthess bei Meisterhans, a. a. O. 227, 1 796.

2 Über die Vereinsbezeichnungen, in denen ein Personenname durch
den Genetiv oder durch eine Präposition (ouv, pera, jxeQi) in Verbindung
mit dem Verein oder seinen Genossen gesetzt wird, und ihr Vorkommen
in Attika handelt jetzt F. Poland, Gesch. des griech. Vereinswesens (Preis-
schriften der Jablonowskischen Gesellschaft XXXVIII 1909) 75 ff.

8 IG. II 1652 (=Dittenberger, Syll. II2 442) nach v. Wilamowitz’ ein-
leuchtender Ergänzung.

4 Auch die ZaxuaSai (IG. II 1062 =vDittenberger II 2 443) sind wahr-
scheinlich eine Phratrie. Abweichend ist das xoivöv xcöv Aua7.ec.ov (IG. II
600; Michel Nr. 1 357) von einem Götternamen (Aiövuoo^ AvaXoq) herzu-
leiten ; vgl. v. Wilamowitz, Aristoteles und Athen II 269.

5 Vgl. Dittenberger, Syll. II 2 439 ff. III p. 185; Hermann-Thumser,
Staats-Alt. II6 319, 1 ; Schömann-Lipsius, Gr. Alt. I4 384; G. Gilbert, Hand-
buch der gr. Staats-Alt. I 2 233,2; Ch. Lecrivain in Daremberg - Saglios

Dict. des ant. IV 1, 444, 13; G. de Sanctis, ’AxfKg 44 f.
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