Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 109
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.4
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29170.11
DOI Seite: 10.11588/diglit.29170#0121
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1910/0121
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
PHRATERN-VERBÄNDE AUF EINEM HYPOTHEKENSTEIN 1 09

klingenden Schema f| cpparpa ton ösTvoc oder f) JteQi töv 8eTva
benannt sind1, kann wegen des im vierten Jahrhundert noch
aufrechten exclusiv staatsrechtlichen Charakters der Bezeich-
nung cpgatepeg, der eiije willkürliche Übertragung auf Privat-
vereine hinderte, nicht gedacht werden. Demnach ergibt sich
als das Wahrscheinlichste, dass uns hier zwar nicht zwei Phra-
trien als Gesamtheiten, wohl aber zwei innerhalb der staats-
rechtlichen Pliratrie bestehende Gruppen von (pparepes ent-
gegentreten, die in der Weise von Privatvereinen (oben S.108
Anm. 2) nach ihren derzeitigen Obmännern benannt waren,
und dass ferner diese beiden Gruppen einer und derselben
Phratrie angehörten, deren Name deshalb als selbstverständ-
lich unterdrückt ist, weil ihr Kultcentrum und die Mehr-
zahl ihrer Angehörigen in näherer örtlicher Beziehung zu
dem Standplatze des Hypothekensteines sich befanden. Der

volle Name dieser Unterabteilungen mag etwa toöv.8oov

(Name der Gesamtphratrie) (pparepeg oi petot xov öeivo? gelau-
tet haben.

Damit sind wir bei der bemerkenswerten Erscheinung
angelangt, dass bei der Phratrie, wie sie uns noch im vierten
Jahrhundert entgegentritt, unverkennbare Spuren auf eine
örtliche Zusammengehörigkeit der in ihr verbundenen Glieder
führen, was allerdings von den verschiedenen Forschern je
nach ihrer Ansicht über die Entstehung der Phratrien und
über deren Anzahl in der späteren Zeit (ob zwölf oder mehr)
in sehr auseinandergehender Weise ausgedeutet wird2. Zwei
Denkmäler, welche wertvolle Aufschlüsse über die Verfassung
der Phratrien enthalten, das Pachtinstrument der Dyaleer

1 S. Poland, a. a. O. 52 f. Beispiele für die kleinasiatischen cpparpcu auch
bei J. Oehler, Zum griech. Vereinswesen (Programm des Maximilian-Gymn.
Wien 1905) 18. 20 ff.

2 R. Schöll, Sitzungsber. der bayer. Akad., phil.-hist. Kl. 1 889 II 2 ff.
21 ff.; G. Busolt, Iwan v. Müllers Handbuch IV 1, 1 (Griech. Staatsalt.2) 208 f.
(vgl. 161); J. H. Lipsius, Leipziger Studien XVI 1894, 169 ff.; G. Gilbert,
Handbuch der gr. Staats-Alt. 12 1 64 mit A. 3 ; U. von Wilamowitz, Arist.
und Athen II 278 (vgl. 276); G. de Sanctis, a. a. O. 70. Dazu J. Toepffer,
a. a. O. 1 7 f.; Ch. Lecrivain, a. a. O. 444 mit A. 8 ; H. Swoboda, Bursians
Jahresber. CXXIV 1905, 244.
loading ...