Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 110
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A. V. PREMERSTEIN

(oben S. 108 A. 4) und das Statut der Demotioniden 1 vom
J. 396/5, das eine zu Myrrhinus, das andere in Dekeleia ge-
funden, haben für die nahe Beziehung dieser Demen zu den
betreffenden Phratrien wichtige Belege geliefert2. Dieser Zu-
sammenhang ist kaum anders zu verstehen, als dass jede
Phratrie ihren Sitz und Mittelpunkt in einem ansehnlicheren
Demos hatte, wo ihre Heiligtümer und Altäre, an die ihre
Feste und familienrechtlichen Handlungen gebunden waren,
sowie der Kern ihres Grundbesitzes gelegen waren 3. Auch
im vorliegenden Falle scheint der Umstand, dass beide Grup-
penobmänner Anaphlystier sind, auf eine gewisse locale Ge-
schlossenheit der ungenannten Phratrie hinzuweisen, deren
Kultcentrum demnach im Demos Anaphlystos zu suchen sein
wird; das Grundstück, auf dem unsere Hypothekeninschrift
aufgestellt war, für welche sie 'die Phratrie’ schlechthin ist,
muss wohl in derselben Gegend, also im Lauriongebiete4
gelegen haben. Wenn auch nicht strict nachweisbar, ist es
doch in hohem Grade wahrscheinlich, dass auch die Ge-
schlechter der rA.cumSai und ’EjuxXeiSai, obgleich ihre Angehö-
rigen gleich denen anderer yevij über ganz Attika zerstreut
sein mochten, ihre Kultstätten nicht allzu weit von dem
Pfandobject hatten5, und dass somit in der Belehnung dieses

' IG. II 5 p. 205 Nr. 841 b; Dittenberger, Syll. II 2 439; Michel Nr. 961 ;
vgl. v. Prott-Ziehen, Leges Gr. sacrae II 1 p. 68 Nr. 17.

2 In IG. II 986, worin man wohl mit Recht das Bruchstück des Mit-
gliederverzeichnisses einer Phratrie erkennt (unten S. 112 f.), ist ein Demoti-
kon nur ausnahmsweise den Namen zu gesetzt, anscheinend bloss in jenen
Fällen, wo der Demos ein anderer war als jener, dem die Mehrzahl der
Phratern angehörte; vgl. auch Polaud, a. a. O. 18. In dem noch unten
(S.11 3 ff.) zu behandelnden Katalog einer Phratern-Gruppe fehlt die Bezeich-
nung des Demos, wohl als selbstverständlich, durchwegs; vgl. A. Körte,
Hermes XXXVII 585. In der Urkunde der Demotioniden haben weder der
Priester noch die drei Antragsteller ein Demotikon, offenbar weil sie sämt-
lich Dekeleier sind; bloss dem Namen des eponymen Phratriarchen ist ein
solches beigefügt, da er aus dem Dekeleia benachbarten Oion stammte. Vgl.
auch R. Dareste, B. Haussoullier und Th. Reinach, Inscr. jurid. gr. II 220.

3 Busolt, a. a. O. 208 ; Schöll, a. a. O. 22.

4 A. Milchhoefer, Pauly-Wissowas RE. I 2061. II 2198.

6 Allerdings ist ein Demeterkult, wie ihn die Epikleiden gepflegt haben
werden (oben S. 107), bisher im Bereiche des Demos Anaphlystos noch nicht
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