Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 115
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PHRATERN-VERBÄNDE AUF EINEM HYPOTHEKENSTEIN 1 1 5

die oiöe (pgaregeg übersehriebene Liste bietet, passt sehr gut
dazu, dass zum mindesten nach dem Statut der Demotioni-
den gerade die ■flraaoi dieser Phratrie zur Bekundung des
Personenstandes berufen sind. Wie innerhalb der üiaaoi der
Beitragsliste IG. II 986, so lassen sich auch unter den hier
genannten zwanzig Phratern Gruppen von Verwandten nach-
weisen 1. Auch hier, wie auf unserem Hypothekenstein, hat
man es für überflüssig gehalten, den Namen der Phratrie,
welcher der ülaoo? angehörte, zu erwähnen, indem dieser
wahrscheinlich aus der Aufstellung in einem bestimmten
Bezirk (oben S. 109 f.) und einem darin gelegenen Heiligtum
von selbst sich ergab. Man wird wohl an eine von dem Oia-
aoq benützte Filialcapelle der Schutzgötter der Phratrie den-
ken dürfen; dass solche um jene Zeit, zum Teil wohl in Pri-
vathäusern 2, bestanden haben müssen, zeigt uns das Statut
der Demotioniden mit seinen Bestimmungen3 gegen den
während der lakedaimonischen Besetzung Dekeleias einge-
rissenen Missbrauch, dass die Einführungsopfer nicht am Cen-
tralsitz der Phratrie unter Controlle des Priesters, sondern
an anderen Stellen dargebracht wurden.

Nach dem bisher Angeführten kann über die Natur der
zwei in unserer Inschrift genannten Gruppen, der eppatepeg oi
peta 3EQatootQctTo(n) ’AvaqAn(auoD) und der cppdteQEg oi peta Ni-
[xjcovog ’AvaqA(uGuou) kaum mehr ein Zweifel obwalten. Schon
oben (S. 108f.) wurden sie als innerhalb der ungenannten
Phratrie des Demos Anaphlystos bestehende Gliederungen
erkannt; aus der Art ihrer Benennung dürfen wir nunmehr
Schliessen, dass sie nicht opysooveg waren, die gewiss schon
in ihrem Namen die Beziehung zu einem Sonderkult zum
Ausdruck gebracht hätten, sondern vielmehr ülocooi der Phra-

1 Vgl. J. Kirchner, Prosopogr. Attica II p. 474 f. Nr. 10249 a. p. 482 f.
Nr. 1 3273 a; A. Körte, a. a. O. 583 ff. Zum Fehlen der Demotika vgl. Körte
585; oben S.110 A. 2.

2 In löicoTixai olxiou waren ursprünglich die Heiligtümer der Phratrie
der Klytiden auf Chios untergebracht; vgl. Dittenberger, Syll. II 2 571;
Michel Nr. 999; v. Prott - Ziehen, Leges Gr. sacrae II 1, 294 f. Nr. 112 (vgl.
auch p. 124).

3 Z. 52 ff.; dazu Dittenberger zu Nr. 439 A. 30.
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