Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 116
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A. V. PREMERSTEIN

trie, die sich gleich den in IG. II 986 (oben S. 11 3) verzeich-
neten fMacroi (’Avtitpdvopg, 'Ayvofl-sou, Atoyevo’ug) und gleich man-
chen auf den gleichzeitigen Hypothekensteinen begegnen-
den Privatvereinen1 nach ihrem Gruppenobmann nannten.
Dessen Ehrenamt muss ein länger dauerndes, wohl lebens-
längliches gewesen sein; bei jährigem Wechsel des Vor-
standes wäre eine auf ihn gestellte Bezeichnung, zumal für
Eintragungen von juristischer Bedeutung, wie es die Hypo-
thekeninschriften sind, zu unbestimmt gewesen. Darin unter-
scheidet sich der gemeinbürgerliche hiciGog von den adeligen
Geschlechtern, in welchen die Function des äg%(ßv, wohl mit
Rücksicht auf die umfassenden und kostspieligen Verpflich-
tungen des gentilicischen Kultus, eine zeitlich beschränkte,
wahrscheinlich jährige gewesen ist2.

Zu dem in unserer Inschrift bezeugten Nebeneinander
von adeligen Geschlechtern und gemeinbürgerlichen üiaGOi,
die höchstwahrscheinlich einer und derselben Phratrie ange-
hörten, bietet sich eine bemerkenswerte Analogie in einer In-
schrift von Cliios 3 dar: norm . . . j Ai]poyev[ö[cu], j ©paixiöai, | oi
T^XayQOP, j (5) oi c/Eq|iioi;, j ol AlovdgoScoqop j xai IIooeiSÜTao'u. Wie
R. Schöll4 in der Hauptsache schon richtig erkannt hat,
steckt in der ersten grösser geschriebenen, aber unsicher ge-
lesenen Zeile der Name einer Phratrie, deren Bestandteile,
zwei patronymisch benannte Geschlechter und drei anschei-
nend nach ihren Vorständen bezeichnete Gruppen von Ge-
meinbürgern, den attischen ülaooi vergleichbar, im Folgen-
den aufgeführt werden. In der Inschrift von Troizen IG. IV
757 erscheinen nebeneinander patronymisch benannte Kör-
perschaften, wie die K^nelöai und navtiaöai, und solche, deren
Namen nach dem Schema oi jtaTQiahai oi ttepl röv öeiva lau-

1 Vgl. oben S. 108 A. 2; Poland, a. a. O. 19. 29. 76. 490. 544. Auszuschei-
den sind die auf den Horoi so häufig erscheinenden sgaviotai oi perä ton
öelvoc; (Robinson, a. a. O. 431), in welchen Ziebarth und Poland mit Wahr-
scheinlichkeit privatrechtliche Societates erkennen.

2 J. Toepffer, a. a. O. 21 ; G. Gilbert, a. a. O. 1 2 234, 4.

3 BCH. III 1879, 323 (vgl. ebd. IV 130); Michel Nr. 1144.

4 Satura philologa H. Sauppio obl. 170; dazu Dittenberger, Syll. II2
571 A. 1 ; G. de Sanctis, a. a. O. 65; Inscriptions jurid. gr. II 221 mit A. 3.
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