Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 119
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ZU DEN GRABSTELEN VON PAGASAE

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Fast alle Monumente, die uns für die Erforschung der
Geschichte der antiken Malerei zur Verfügung stehen, geben
uns nur indirecte Kunde von den Werken, unter deren Ein-
fluss sie stehen; eine Ausnahme bilden einzig die Neapler
Marmorbilder, einige Mosaiken und diejenigen pompejani-
schen und römischen Gemälde, die sich durch ihre äussere
Form als Copien von Tafelbildern geben. Auch die Stelen
von Pagasae nehmen gegenüber der Tafelmalerei keine we-
sentlich andere Stellung ein; ein einziges ihrer Bilder (153)
ist als Copie eines Tafelbildes gedacht, indem es von dem
gemalten, üblichen Rahmen der Tafelbilder, vier sich an den
Ecken überschneidenden Holzleisten, umgeben ist Der Wert
dieser neuen Denkmälerklasse überragt daher nur graduell
den der anderen Monumente, Vasen, Reliefs, Mosaiken und J
Wandgemälde, durch die literarisch überlieferten Beziehun-
gen zwischen grosser Malerei1 und Grabkunst und ihre durch
die Inschriften gesicherte zeitliche Stellung.

Die Masse der Grabstelen, auf denen sich die erhaltenen
Reste noch zu einem erkennbaren Ganzen zusammenschlies-
sen lassen, gehört in das dritte Jahrhundert. Ein eingehen-
deres Studium der thessalisclien Schriftformen kann viel-
leicht noch eine genauere Datierung ermöglichen; bei einer
ganzen Reihe sind die Buchstaben so roh und flüchtig ein-
gegraben (z. B. 1 6. 1 9. 21. 22. 26. 49 usw.), dass sie einer siche-
ren Einordnung spotten. Mit Sicherheit lässt sich soviel sagen,
dass weder die Schriftformen noch die Untersuchung der Bil-
der selbst eine stilistische Entwickelung erkennen lassen, dass
die erhaltenen Bilder uns also nur einen Querschnitt der Ent-
wickelung der pagasaeischen Grabmalerei erhalten haben. Die-
ser Umstand ermöglicht es, schon auf Grund des bisher publi-
cierten Materials allgemeine Beobachtungen auszusprechen.
Die abgebildeten Exemplare sind die besterhaltenen, und, so
wichtig einige noch nicht bekannt gegebene Gemälde sind,
die grosse Masse ergibt nur eine quantitative Bereicherung.

1 Vgl. Ross a. a. O.; Arvanitopullos, ’Erp. dq%. 1908, 14 ff., wo diese Be-
ziehungen ausserordentlich übertrieben sind, und die von ihm angeführten
Schriften.
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