Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 120
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.4
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G. RODENWALDT

Wir wissen von der gleichzeitigen Malerei sehr wenig
und von der des vorhergehenden Jahrhunderts nicht genug,
um durch unmittelbare Vergleichung die Beziehungen zu den
pagasaeischen Stelen erkennen zu können. Die literarische
Überlieferung gibt uns nur von der Künstlergeschichte ein
einigermassen sicheres Bild, und die aus den Monumenten
gewonnenen Ergebnisse reichen bisher nur zu einer ganz
allgemeinen Vorstellung des geschichtlichen Verlaufes aus.
Während somit die directe Illustration unserer Stelen durch
die literarische Überlieferung nur zu unsicheren und haltlo-
sen Resultaten führen kann, ist vielleicht auf anderem Wege
die Möglichkeit gegeben, zu einer festeren Vorstellung ihrer
kunstgeschichtlichen Bedeutung zu gelangen. Die Zahl der
Stelen, auf denen wir wenigstens das Schema der Darstellung
noch zu erkennen vermögen, ist gross genug, um positiv für
Inhalt und Form der Darstellungen dasjenige feststellen zu
können, was der Gattung- als solcher angehört und daher
einer unmittelbaren Einwirkung' der grossen Kunst weniger
zugänglich ist. Die gemalten Grabstelen stehen sodann in
der engsten Beziehung zu den Grabreliefs und fügen sich
damit in den Zusammenhang eines reichen Materials ein, an
dem wir besser als in der Malerei, wo wir mit der grossen
Kunst beständig wie mit einer Unbekannten rechnen müssen,
die Beziehungen zu dieser controllieren können. Zeitlich fül-
len die Stelen den Zwischenraum zwischen der Blütezeit der
attischen Grabkunst und den Anfängen der ostgriechischen
und südrussischen Grabreliefs aus, während die alexandrini-
schen zum Teil der gleichen Zeit angehören (Pfuhl, AM.
XXVI 1901, 258 ff.). Die Heranziehung dieser Denkmäler
kann den Umfang, innerhalb dessen wir Nachklänge und
unmittelbare Einflüsse der grossen Kunst annehmen dürfen,
noch genauer umgrenzen. Endlich muss versucht werden, die
Stellung der Bilder zu unsrer bisherigen Hauptquelle der
antiken Malerei, den pompejanischen Wandgemälden, zu
bestimmen.

Etwa neunzig Bilder sind entweder in grossen Teilen
oder in der Vorzeichnung oder in einzelnen Spuren so weit
erhalten, dass sich die Darstellung im Wesentlichen recon-
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