Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 124
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G. RODENWALDT

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wandung der Dargestellten. Ein äusserliches Zeichen dafür
ist, dass wir die auf den attischen Stelen überwiegende Hand-
reichung zwischen der sitzenden und einer stehenden Figur
auf den etwa 48 in Betracht kommenden pagasaeischen Bildern
nur 19 mal haben. Die in Attika auf Naiskoi, Stelen, Leky-
then, in Relief und Malerei (vgl. d. Stele der Kleiokrateia,
Conze 451 Tf. 1 06) bis zur Ermüdung häufige Darstellung einer
sitzenden Frau, die dem links stehenden Manne die Hand
reicht, während hinter und zwischen ihnen eine dritte, ste-
hende Figur erscheint, ist in Bagasae überhaupt nicht vorhan-
den. Schwerlich haben wir in dieser relativ grösseren Man-
nigfaltigkeit das Product einer zeitlichen Weiterentwickelung
zu sehen, sondern können aus ihr schliessen, dass nicht etwa
attische Handwerker hier gearbeitet und unmittelbar ihre
Kunst mitgebracht haben, sondern dass ein von attischer
Grabkunst abhängiges Handwerk in provinzialer, oder wie
wir wahrscheinlich mit noch grösserer Beschränkung' sagen
müssen, speciell localer Eigenart seine gefälligen und an-
spruchslosen Producte geliefert hat.

Die pagasaeischen Handwerker waren auch im Stande,
bei besonderen Anlässen, vielleicht den speciellen Wünschen
ihrer Auftraggeber entgegenkommend, von den üblichen
Schemata abzuweichen. Der gewaffnete Krieger (1 0), ein an-
derer, der sich von seinem Diener den Schild tragen lässt (8),
Charmides, der hoch zu Ross dargestellt ist (15), der stehende
Jüngling (145) sind Typen, die vereinzelt sind, aber auf atti-
schen Stelen viele Analogien haben. Unsicher ist der Wagen
des Boiskos (123), ein ganz rohes Machwerk der in Relief
ausgeführte Bogenschütze (61). Dem Isispriester Ouaphres (52)
wurde sein Porträt aufs Grab gemalt. An die entzückendsten
Tanagrafiguren erinnert Rhodokleia (115), in eleganter Hal-
tung, in lichten farbigen Gewändern, den roten Sonnenschirm
über dem Kopfe haltend. Auf Stele 30 bringt Pliila mit einem
Jüngling dem Hermes ein Opfer (’Ecp. Taf. 4,1); dem Hermes
gilt auch die Tänie, die Menophilos (26, 3Ecp. 55, Abb. 6, 2) in
der Hand hält. Auf Stele 55 sehen wir eine Opferscene im
Freien. In eine Landschaft führt uns auch 1 25, wo eine Frau,
ihr Kind auf dem Arm, unter einem Baume sitzt. Dagegen
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