Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 136
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G. RODENWALDT

an einer Überdeckung der minutiös sorgfältigen Zeichnung
zweifeln, wenn nicht kleine, teilweise auf den schwarzen
Linien liegende Farbreste überall ihr Vorhandensein bezeug-
ten. Die Vorzeichnung ist in schwarzer Farbe mit dem Pinsel
ausgeführt und verdankt ihre gute Erhaltung offenbar dem
Umstande, dass sie, um bequem darauf weiter malen zu
können, eingebrannt worden ist1. Diese Vorbereitung für die
farbige Ausführung war nicht obligatorisch. Denn obwohl
die Maltechnik auf allen Bildern die gleiche ist, haben eine
Reihe von Stelen sicher nicht diese Vorzeichnung gehabt.
Ebensowenig finden wir sie auf attischen bemalten Stelen.
Immerhin ist es möglich, dass dort eine flüchtigere, nicht
eingebrannte Vorzeichnung mit der Farbe verloren gegangen
ist. Jedenfalls zeigt diese Verschiedenheit, dass die Art der
Vorzeichnung von der maltechnischen Ausführung des Bildes
unabhängig ist.

Für diese Ausführung ist am instructivsten die Stele der
Peneis und des Herodotos (29, ’Ecp. 55 Abb. 6, 1). Man sieht
dort deutlich, wie die einzelnen Farbpasten mosaikartig
nebeneinander gesetzt und mit einem flachen Instrument
breitgedrückt und verstrichen sind. Das Eindrücken hat am
Rande häufig eine rundliche Erhöhung bewirkt. Die Aus-
gleichung und Ineinanderführung dieser einzelnen Teilchen
ist nicht mit gleichmässiger Sorgfalt ausgeführt; an der Aus-
senseite und am linken Zipfel des Mantels des Herodotos
hat der Maler es bis zu einer einheitlichen, glatten Fläche
gebracht. Die Farben sind sämtlich Deckfarben. Von einer
Arbeit mit dem Pinsel findet sich keine Spur, sondern die
Farben sind mit einem spachtelartigen Instrument aufge-
setzt. Die nächsten Analogien der Technik bieten die rein
enkaustisch gemalten Mumienporträts aus dem Fayum 2. Aus
der Architektur wissen wir, dass die an der xAussenseite be-
findlichen, dem Regen ausgesetzten Teile in enkaustischer

1 Auf diese Wahrscheinlichkeit hat mich E. Gillieron aufmerksam ge-
macht.

2 Gräfs Gallerie antiker Portraits 2, 12, 23, 67, 88; Berger, Maltechnik
des Altertums 198.
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