Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 137
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ZU DEN GRABSTELEN VON PAGASAE

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Technik bemalt wurden (vgl. Winter, Arch. Anz. 1897, 134).
Auch die Grabstelen haben im Freien gestanden und bedurf-
ten einer Malerei ovexjtA.'utou ygacpfjg. Da uns endlich über-
liefert ist, dass der Enkaustiker Nikias Grabstelen gemalt
hat1, kann kein Zweifel sein, dass die Bilder unserer Stelen
enkaustisch gemalt und zwar mit dem cauterium ausgeführt
sind 2. Damit besitzen wir für Plinius’ erste Gattung der En-
kaustik ein Material, das durch seine Zahl und den Grad der
Erhaltung alle übrigen griechischen Monumente, an Alter
und Qualität der Ausführung die Fayumbildnisse bei weitem
überragt. Stellen doch jene zum grössten Teil keine reine
Cauteriumtechnik mehr dar, und, wo diese vorhanden ist,
sind die Farben nie zu einer einheitlichen Fläche geglättet
worden. In Pagasae dagegen finden wir alle Stufen roher
oder geschickterer Ausführung vertreten; von der Stele der
Penei’s, wo die Farben teilweise unverbunden nebeneinander
stehen, bis zu dem Wöchnerinnenbilde, wo auf der einheit-
lichen Fläche keine Spur der technischen Ausführung mehr
zu erkennen ist. Von der Güte der Herstellung ist zum Teil
auch die Erhaltung abhängig, wie das für die einzelnen Bil-
der im Katalog der Stelen ausgeführt worden ist. Dagegen
ist es schwerlich berechtigt, in dieser verschiedenen Behand-
lung stilistische Unterschiede zu erkennen3; die Technik ist
auf sämtlichen Stelen ein und dieselbe, und Unterschiede
bestehen lediglich in der Qualität der Ausführung. Wir ken-
nen, wenn wir von der Malerei auf Elfenbein und der Schiffs-
malerei absehen, nur eine einzige enkaustisclie Technik und
wissen von keinen Schulunterschieden darin; daher dürfen
wir wohl auch die Vorstellung von der Enkaustik, die uns

1 Paus. VII 22, 6. Plin. XXXV 131. Vgl. Winter, a. a. O.

2 Nach Mayhoffs überzeugender Emendation der vielumstrittenen Stelle
Plin. XXXV 149 bei Berger, Maltechnik 191. Fraglich bleibt nur, ob nicht
doch noch eine Lücke anzunehmen ist, vgl. Blümner, Neuejahrb. 1905, 21 7.

3 Arvanitopullos, 0eoo. Mvr)|i. 181 u.s.w. Die Form des U , die A. für
Beziehungen zu Sikyon geltend macht, ist nicht beweisend, da sie auch
sonst vorkommt, vgl. für Attika Larfeld II 458 ff. ; sie fehlt auf der später
gefundenen Inschrift zu dem Hauptbeispiel der 'sikyonischen Schule’, der
Stele der Hediste (0soo. Mvrjp. 215 ff.).
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