Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 145
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EIN DENKMAL DES METERCULTES IN SOPHIA

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darf, in drei Spalten geschrieben war, während der zweite,
vielleicht durch das in Z. 1 6 stehende B als solcher bezeich-
net, keine derartige Gliederung aufweist. Aus der Nennung
einer pfj-np) 8sv8Qoq?6p(oov) in Z. 3, welche Bezeichung wohl als
Apposition zu dem darüberstehenden Namen O'ucdjepia gehört,
ferner aus dem Worte Soh[iog (Z. 20), auf welches ich später
noch zurückkommen werde, können wir auf einen Cultverein
der Grossen Göttin schliessen; dazu stimmt auch die Be-
zeichnung als puoTQiai in Z. 21.

Eine ganz ähnliche Aufzählung von Mitgliedern eines
solchen Vereines haben wir in der Inschrift Arch. epigr. Mitt.
XI 44 Nr. 57=Inscr. Gr. Rom. I 614 und in dem Bruchstück
Arch. epigr. Mitt. XI 47 Nr. 58, beide aus Küstendsche; spe-
ciell ein collegium dendrophorum Matris Ideum m. I. et Attis
begegnet uns CIL. VI 30973=Dessau Nr. 41 711. Über Grund
oder Zweck der gemeinsamen Aufzeichnung der Namen der
Vereinsmitglieder werden vielleicht die beiden letzten, mit
grösseren Buchstaben geschriebenen Zeilen unterrichtet ha-
ben. Man könnte etwa an eine Widmung an die Mysten den-
ken; möglich ist aber auch, dass wir es mit einem blossen
Mitgliederverzeichnis, einer ovopatoygacpia zu tun haben, wie
uns solche z. B. auch in den Inschriften Kalinka, Antike
Denkmäler in Bulgarien Nr. 1 76. 177 erhalten sind. In die-
sem Fall würden wir dann vielleicht ouv taijs [watpiaig zu
lesen haben, was einer copulativen Anreiliung an eine andere
Gruppe von Mitgliedern gleich wäre; diese könnte entweder
Männer umfasst haben, deren Namen in der ersten, jetzt feh-
lenden Spalte standen, oder ebenfalls Frauen, die etwa einen

1 In diesem Zusammenhang will ich auch an die jtavf|YU£nc; T0® o[eß]a-
oxoi) (so Nilsson, Griechische Feste von religiöser Bedeutung 61) öevöpoxo-
juou ifjg "Hga<; auf Kos erinnern (BCH. XVII 208 Nr. 10; Herzog, Koische
Forschungen 133 Nr. 198), da dieses SevÖQOxojuov ausser bei Nilsson nir-
gends erwähnt und auch das Wort in Herwerdens Lexicon suppletorium
nicht verzeichnet ist. Nebenbei will ich noch bemerken, dass es sich bei
der letztgenannten Inschrift nach dem Wortlaut doch jedenfalls nicht um
eine Übertragung eines bisher 'anderswo aufbewahrten Bildes’, wie Lar-
feld in Bursians Jahresber. LXXXVII 1897, 283 sagt, sondern um eine ört-
liche Verlegung des Festes handelt.

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXV

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