Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 149
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BEMERKUNGEN ZUR ALTKRETISCHEN
RELIGION 11.

Die Beziehungen Kretas zu Kleinasien und die Probleme,
welche sich an die Besiedelungsgeschichte Kretas knüpfen,
sind unlängst von Eduard Meyer1 2 ausführlich dargelegt wor-
den. Von ihm ist auch die Verwandtschaft der altkretischen
Religion mit den Religionssystemen Vorderasiens kurz skiz-
ziert worden (a. a. O. 645 ff. 680). Diesen Grundgedanken wei-
ter auszubauen, sollen die folgenden Ausführungen dienen.

Von wesentlichem Interesse dafür ist die Frage nach den
Trägern der minoischen Kultur. Eduard Meyer (a.a.O.) nimmt
als älteste Bevölkerungsschicht auf der Insel eine den klein-
asiatischen Stämmen verwandte an, die gegen Ende des drit-
ten Jahrtausends v. Chr. von den eigentlichen Trägern der
minoischen Kultur unterworfen und abgelöst wurde, wobei
aber ihre Kultur und Kulte übernommen wurden3. Reste

1 Diese Bemerkungen sind aus einem Vortrag hervorgegangen, den ich
in der Institutssitzung vom 31. März 1909 gehalten habe. Die Wahl des
Themas brachte es mit sich, dass eine Reihe Fragen angeschnitten wer-
den musste, für welche eine ausführliche Begründung erst an anderer
Stelle gegeben werden kann, besonders da mir hier in Athen viel Litera-
tur unzugänglich ist.

In Teil II dieser Bemerkungen soll die männliche Gottheit der altkreti-
schen Religion behandelt werden, in Teil III eine kürzlich für das Museum
in Candia erworbene, wahrscheinlich aus Gortyn stammende Magna Mater-
(Kybele-) Terracotte mit der Darstellung der Kureten und des Mädchens
mit den Fackeln am Thron der Gottheit.

Herrn Professor Dr. Karo bin ich in sehr vielen Punkten für Rat und
Auskunft verpflichtet und spreche ihm an dieser Stelle meinen herzlichsten
Dank aus.

2 Gesch. d. Altert.2 I 2, 680 ff.; vgl. ferner Burrows, Discoveries in Crete
bes. 133 ff.; Mrs. Boyd-Hawes, Gournia 7 ff. und Mackenzie, BSA. XIII
423 ff.; auf Abweichungen im einzelnen näher einzugehen, muss ich mir
hier leider versagen.

3 Einen neuen Bevölkerungswechsel zwischen mittel- und spätminoi-
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