Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 150
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H. PRINZ

dieser zweiten Schicht haben sich im Osten der Insel noch
in historischer Zeit in Praisos erhalten, während dagegen die
Kydonen, die ältesten Bewohner des westlichen Kreta nach
Ed. Meyer (a. a. O. 701), vielleicht noch der älteren Schicht
angehören.

Ob Kydonen und die späteren Einwohner von Praisos,
die wir Eteokreter nennen, derselben Rasse angehören, lässt
sich zur Zeit nicht entscheiden; nach Homer x 175 ff.* 1 wären
sie allerdings zu scheiden. Die Ausgrabungsresultate für eine
Zweiteilung der Insel in älterer Zeit zu verwerten 2, ist nicht
angängig, da das archäologische Interesse bisher fast aus-
schliesslich auf die Erforschung des mittleren und östlichen
Teiles der Insel concentriert war. Dass auch im Westen mi-
noische Kultur ihre Stätte gehabt hat, zeigt das Kuppel grab
von Maleme 3 (2 1/2 Stunden westlich von Canea an der Küste
gelegen), welches durch einige darin gefundene Scherben in
die Wende der mittelminoischen zur spätminoischen Periode
datiert wird 4.

Nicht anschliessen aber kann ich mich Ed. Meyer in der
Annahme eines Bevölkerungswechsels gegen Ende des drit-
ten Jahrtausends. Wir würden damit mitten in die frühmi-
noische Periode hineinkommen5. Nun haben aber die archäo-

scher Epoche möchte Ed. Meyer nicht annehmen, wenn er ihn auch nicht
für gänzlich ausgeschlossen hält.

1 ev pev ’Ayouoi,

ev ö’ ’EteoxQTiTeg pevoAfiTopeg, ev 8e KnScoveg
Acopieei; te tpixdoteq Slot re nsA.acym'.

2 So Ed. Meyer, a. a. O. 699.

3 Eine Beschreibung desselben werde ich in anderem Zusammenhänge
geben.

4 Die Stadt Kydonia dagegen, deren Stätte das heutige Canea ein-
nimmt, ist, soweit die von mir aufgenommenen Grabfunde zeigen, erst in
spätmykenischer Zeit gegründet worden.

5 Vgl. für die Datierung der minoischen Epochen ausser Ed. Meyer
a. a. O. Fimmen, Zeit und Dauer der kretisch-mykenischen Kultur, bes. die
synchronistische Tabelle am Schluss. — Der Einteilung in früh-, mittel- und
spätminoische Periode liegen die ausgezeichneten Schichtenbeobachtungen
von Evans und Mackenzie zu Grunde. Im einzelnen lässt sich natürlich,
bes. in den Übergangszeiten, nicht immer haarscharf trennen, ebensowenig
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