Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 157
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BEMERKUNGEN ZUR ALTKRETISCHEN RELIGION 157

Eine abgekürzte Darstellung des Tempels 1 dieser Tau-
bengottheit zeigen die in einem Kultraume des älteren (mit-
telminoischen) Palastes von Knossos gefundenen Terracotta-
säulclien mit Gebälklage und Tauben darauf (Evans, BSA.
VIII 29 Fig. 14 = Karo, a. a. O. 137 Fig. 15); in den derselben
Göttin zugehörigen Goldblechen aus dem 3. und 4. Schacht-
grabe von Mykenai2 (Schuchhardt, a.a.O. 228 Fig.1 83) möchte
ich dagegen lieber einen altarartigen Aufbau, von Tauben
umflattert, sehen 3.

Typus III. Göttin mit Schlange.

1. Bemalte Fayencestatuette einer reich gekleideten Schlan-
gengöttin aus den "Temple Repositories’ in Knossos. Evans,
BSA. IX 75 Fig. 54 a. b. Je eine Schlange hält sie in den
Händen, der Leib des Tieres windet sich um ihren Arm bis
zur Schulter. Zwei andere Schlangen bilden ihren Gürtel,
von denen die eine sich bis zu ihrem rechten Ohr empor-
windet, während die andere sich noch um die Mitra ringelt,
über deren Spitze sie ihren Kopf hervorstreckt. — III. mittel-
minoische Epoche. — Ob die beiden anderen stark zerstörten
Figuren gleichen Fundortes ebenfalls dieselbe Göttin dar-
stellen,— die eine (Evans, a.a.O. Fig. 56) hält in der aus-
gestreckten R. eine Schlange, der 1. Unterarm ist abgebro-
chen — ist nicht sicher 4, aber sehr wahrscheinlich 5.

1 Der Deutung von Evans a. a. O., der in diesem Object einen neuen
Beleg für den Pfeilerkult auf minoischem Gebiete sehen will, kann ich nicht
beipflichten. Über den Pfeilerkult siehe weiter unten.

2 Es sind zwei im 3. und drei im 4. Schachtgrabe gefunden; vgl. Stais,
Collection mycenienne 14 f. Nr. 26.

s Auf die complicierten Fragen, ob dreiteilige Capelle oder Altar, kann
ich hier nicht näher eingehen ; vgl. Evans, JHS. XX11 901,192 ff.—Karo, a.a.
O. 1 30, 4 und 1 34, 3, der im Anschluss an Milani, a. a. O. I 211 f. in den Vö-
geln keine Tauben, sondern Adler sehen will, kann ich nicht beistimmen.

4 Evans a. a. O. denkt an Adoranten; vgl. dazu Karo, Archiv f. Reli-
gionsw. VIII 147.

5 Nicht hierzu rechnen möchte ich die mykenische Bronze in Berlin
(Furtwängler, Aegina 371 Abb. 296), die Thiersch a. a. O. für eine Schlangen-
frau erklärt. Was er für Schlangenleiber hält, kann mit eben so grosser
Wahrscheinlichkeit als Haarsträhnen gedeutet werden, ein Schlangenkopf
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