Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 166
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H. PRINZ

wird, oder der Schemel unter den Füssen der Gottheit ist als
Berg dargestellt (so z. B. bei dem Sonnengotte Schamasch auf
der bekannten Gesetzesstele des Hammurabi aus Susa), oder
sie wächst aus zwei Bergen hervor (sehr häufige Darstellung
des Sonnengottes Schamasch, der aus den Bergen des Ostens
aufsteigt) \ Von den altsumerischen Gottheiten seien hier nur
zwei erwähnt, Ellil cder Herr des Sturmes’, der den Beina-
men 'lugal kurkura’, 'König der Berglande’ führt, und Nin-
charsag die 'Bergherrin' wie ihr Name besagt2.

Von den Babyloniern haben den Typus die Chetiter über-
nommen. Hier wie dort ist er auf eine Reihe Götter zur
Anwendung gekommen. So sind in der Götterprocession von
Jasili-Kaja ausser der Magna Mater noch einige andere Göt-
ter durch dieses Motiv ausgezeichnet; vgl. ferner die Siegel-
cylinder3: Morgan4 PI. XXX 229. XXXI 237; Lajard, Culte de
Mithra PI. XXVII 1 5 6, und die in spätere Zeit gehörige Stele
von Amrit bei Perrot-Chipiez III 413 Fig. 283; hier wie bei
der weiblichen Gottheit von Jasili-Kaja Gott auf Löwen, der
über die Berge schreitet. In seiner Incarnation als Gott ist
dieses Motiv auch auf den chetitischen König übergegangen;
vgl. den König auf den Bergen, der der Götterprocession
von Jasili-Kaja zuschaut, Perrot-Chipiez IV 639 Fig. 14.

1 Abb. bei Menant, Glyptique I 121 ff.; Ward, Amer. Jour. III 1 887,
50 ff. PI. III-V. Vgl. die Hymnen an den Sonnengott.

2 Ed. Meyer, a.a. O. 421.—Auf die Vorstellung des Wohnens der Götter
auf Bergen geht auch die älteste Tempelform in Babylonien, der ziqqurrat
zurück. Das British Museum besitzt einen Siegelcylinder der Hammurabi-
Dynastie, auf dem der Gott den rechten Fuss anstatt auf einen Berg auf
den ziqqurat setzt.

3 Die Siegelcylinder chetitisch - syrischen Stiles gehören zumeist ins
zweite Jahrtausend (vgl. den Thontafelfund aus Kerkuk im Berliner Mu-
seum). Zwei Gruppen lassen sich deutlich scheiden, eine ältere, die ihre
Motive z. T. den Cylindern der Hammurabi-Dynastie entlehnt, und eine
jüngere, die mit ägyptischen Elementen durchsetzt ist. — Vgl. für diese
Cylinder bes. Ward a. a. O. und Furtwängler, Gemmen III 7 ff.

4 So citiere ich im Folgenden stets die von Ward besorgte Publication
der 1 Cylinders and other ancient oriental seals in the library of J. Pierpont

Morgan’ (Privatdruck, New-York 1909).

6 == Ward, Amer. Journ. III 1899, 22 Fig. 25.
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