Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 168
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H. PRINZ

zähen Festhalten an alten Formen erhalten, während er im
allgemeinen aber unter griechischem Einflüsse zum Sitzen
der Gottheit auf dem Tier oder auf einem Throne, der von
den Tieren getragen, oder auf einem Wagen, der von den
Tieren gezogen wird, umgewandelt worden ist.

Der chetitisch-kleinasiatischen Gottheit mit dem Löwen
entsprechen die kretischen Darstellungen, die Typus IV auf-
gezählt sind. Das Motiv des Stehens auf dem Tier kennt die
kretische Kunst nicht. Bemerkenswert ist Typus IV 3, Sitzen
der Göttin auf einem Löwenkopf, der nur als Abbreviatur eines
ganzen Löwen zu deuten ist. Am beliebtesten ist die wappen-
hafte Anordnung der Tiere um die Göttin, Typus IV 1-4 (bei
Typus IV1 mit dem Bergmotiv verbunden); die Verdoppelung
der Löwen ist wahrscheinlich rein aus dem Princip der Anti-
these * 1 hervorgegangen. Diese Anordnungsform finden wir bei
den Chetitern nicht. Formal näher stehen hier babylonische
Darstellungen 2. Ein Siegelcylinder der Sammlung Morgan
PI. XIV 91 zeigt die babylonische Ischtar, Doppellöwenscepter
in der Rechten, Geissei in der Linken, auf zwei antithetisch
angeordneten liegenden Löwen stehend; vgl. den Cylinder
Lajard, a. a. O. PI. XXXVII 7 und einige Cylinder der Berliner
Sammlung3. Ihrem Wesen nach ist diese Ischtarform4 von
der kleinasiatischen Göttin nicht zu trennen.

stehend, auf einer Münze von Philadelpheia in Lydien bei Imhoof-Blu-
mer, Griech. Münzen Taf. XI Nr. 20; Gott auf drei Löwen stehend, auf
Münzen von Askalon bei Imhoof-Blumer, a. a. O. Taf. XIV Nr. 19.

1 Für die antithetische Gruppe vgl. Jolles, Arch. Jahrb. XIX 27 ff.

2 Auf die späteren kleinasiatischen Darstellungen, bes. Münzbilder,
kann ich hier nur kurz verweisen.

3 Daneben kommt die Göttin stehend auf dem Löwen oder mit dem
Fuss auf dem liegenden Löwen vor; vgl. für letzteres Lajard, a. a. O.
pl. XXXVII 3.—Singulär ist die Darstellung Menant, Glyptique 1 163
Fig. 100: die Füsse der thronenden Göttin ruhen auf dem liegenden Löwen.

4 Ebensowenig die assyrische Istar vgl. den Cylinder Furtwängler, Gem-
men I Taf. I 10. Auch die persische Anaitis ist hier heranzuziehen: vgl. den
persisch-griechischen Cylinder aus einem Holzsarkophage des IV. Jahrh.
v. Chr. bei Kertsch, Furtwängler, Gemmen III 120 Fig. 81. Womit natürlich
nicht gesagt sein soll, dass die Anaitis von Anfang an eine der kleinasiatisch-
syrischen Magna Mater identische Göttin gewesen ist, sie ist ihr aber unter
dem Einfluss späterer synkretistischer Vorstellungen stark angepasst worden.
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