Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 171
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BEMERKUNGEN ZUR ALTKRETISCHEN RELIGION 1 71

von Jasili-Kaja verbindet sie der Löwe, die Nacktheit stellt
sie auf eine Stufe mit den eben behandelten Monumenten.

Als neue symbolische Charakteristika gewinnen wir aus
der Betrachtung dieser drei Darstellungsreihen ausser der
Nacktheit die Tauben und die Schlangen. Die Taube in Ver-
bindung mit der Gottheit zeigt auch der Siegelcylinder bei
Lajard, a. a. O. pl. XL 1: hier sitzt die Göttin, aber bekleidet,
auf dem Thron, auf ihren Schoss fliegt eine Taube zu. Welch
eine grosse Rolle die Taube als ihr heiliges Tier noch in spä-
terer Zeit spielte, beweist vor allem die Schilderung Lukians h

Die Schlange in Verbindung mit der Gottheit zeigt noch
der Siegelcylinder Morgan Pl. XXVIII 205: eine bekleidete
Göttin, die zwei Schlangen an sich presst.

Den Übergang von der völligen Nacktheit zur bekleide-
ten Göttin ergeben ferner einige Siegelcylinder (z. B. Morgan
Pl. XXX 229 und Furtwängler, Gemmen III 7 Fig. 3)1 2, auf
denen die Göttin mit einem Gewände bekleidet ist, dass aber
nur den Rücken und das rechte Bein deckt. Bei dem erst
genannten Beispiel kommt der Göttin wieder Teschub über
Bergkuppen hinschreitend entgegen, also eine weitere Ana-
logie zu den S. 31 aufgeführten Darstellungen3.

Sind uns so die Übergänge von einem Typus zum ande-
ren gegeben, so können wir die Verschiedenheit der symbo-
lischen Gestaltung nur damit erklären, dass es sich in allen
diesen Fällen um die verschiedenen Wesensformen ein und

1 Vgl. besonders De Dea Syria 54: öqviöcov xe auxeoioi JteQiöxeQT] So-
xeet xQiifi-tt Igoxaxov, xai ouSe paueiv auxeoov Sixaieuai' xai f|v asxovxe^
dpcovtcu, evayee<; exsivrjv xt]v t)jxeqcxv eien, xouvexa 81] auxeoioi auvvojxoi xe
eioi xai ec, xd oixia eoeQ/ovxai xai xd jtoAAä ev yf] vefxovxai, aber auch a. a.
O. 14. Weitere Literatur bei Cumont, Pauty-Wissowa IV 2242.

- Es gehört hierzu auch der oben schon auf geführte Cylinder Morgan
Pl. XXXII 245. Hier steht neben der nackten Göttin auf dem gleichen
Postament wie sie die dürftig bekleidete: also zwei Formen derselben
Göttin nebeneinander, lebend und im Kultbild dargestellt.

3 Hierzu ist ferner der Berliner Siegelcylinder bei Lajard, a. a. O. Pl.
XXXV 2 = Ward, Amer. Journ. III 1899, 18 Fig. 20 zu rechnen: Der auf-
recht dastehenden bekleideten Göttin schreitet Teschub entgegen, den lie-
genden Stier am Leitseil haltend.
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