Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 180
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SITZUNGS -PROTOCOLLE

ten) stellt es eine Weiterbildung der frühminoischen Siegel dar.
Neben diesem noch archaischen Stück hat es gewiss hoch
entwickelte Kunstwerke gegeben, sowohl mit prächtigen Or-
namenten (man vergleiche nur die zeitgenössischen Kamares-
vasen!) wie mit Darstellungen aus der Tier-und Pflanzenwelt,
die ja schon frühminoisch Vorkommen. Leider fehlt es noch
an datierbaren Funden, vor allem an Gräbern aus dieser
Epoche. Auch von den prachtvollen ovalen und prismatischen
Siegelsteinen mit hieroglyphischen Inschriften, deren Wich-
tigkeit Evans (Scripta Minoa I 153 ff. 263 ff.) erschlossen hat,
werden einige noch der II. Epoche an gehören. Besonders
schmerzlich vermisst man die Möglichkeit genauerer Datie-
rung bei den Siegelabdrücken mit lebensvollen Porträt-
köpfen, S. 272.

III. Epoche, etwa gleich der Hyksoszeit (1675-1580).

Zeit der höchsten Blüte. Sicher datierbar sind die zahl-
reichen Siegelabdrücke aus den "Temple Repositories3 von
Knossos (BSA. IX 55-59. 88. 90), ebenso der prachtvolle Ab-
druck ebenda 21, ferner auf dem Festlande die Goldringe und
Gemmen aus dem IV. Schachtgrabe von Mykenai, einem der
beiden ältesten (Schuchhardt, Schliemanns Ausgrabungen
25. 7 ; Reichel, Homer. Waffen 2 4. 92). Neben wenigen orna-
mentalen Mustern archaischer Tradition erscheinen hier tie-
rische und menschliche Darstellungen von vollendeter Kunst,
figurenreiche, bewegte Scenen aus Jagd, Krieg und Kult,
sogar eine Landschaft ohne Figuren (BSA. IX 55). Die gra-
vierten Goldringe treten hier zum ersten Male auf. Auch die
grosse Masse der hieroglyphischen Siegel gehört in diese
Epoche; in der spätminoischen Periode muss die alte Bilder-
schrift der linearen weichen.

Spätminoische Periode.

I. Epoche, gleichzeitig dem Anfang der XVIII. Dynastie
(etwa 1580-1500). Gegenüber der vorigen (MM. III.) Epoche
macht sich keine Änderung in Technik oder Stil der Gem-
men und Ringe geltend: das lehrt ein Vergleich der eben
besprochenen Werke mit den goldenen Schiebern und dem
Sardonyx des III. (jüngeren) mykenisehen Schachtgrabes
(Schuchhardt 238; Reichel 2. 3), mit den Goldringen aus dem
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