Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 207
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KERAMEIKOS - STUDIEN

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von Füllfarben. Die Angaben über die Polychromie des Bildes
siehe in der Anmerkung l.

Vor einer mit Binden geschmückten Grabstele findet ein
Zweikampf von Hopliten statt. Der Angreifer links richtet
vom Schilde gedeckt seine Lanze gegen den Hals des Geg-
ners; ihr Ende ist da, wo die Photographie es angibt, dicht
rechts neben der Stele, ohne Andeutung einer besonders auf-
gesetzten Spitze. Der bärtige Kopf trägt zurückgesetzt einen
Visir-Helm mit hohem Busch, die Kleidung ist ein faltenlo-
ser aber gegürteter Chiton, der oben und unten ein Tupfen-
muster hatte. Sein Gegner, unbärtig soweit der Helm unter
dem Wangenschutz erkennen lässt, zieht, den Blick auf den
Angreifer gerichtet, im Zurückweichen das Schwert unter
dem Schild aus der Scheide. Auch sein Helm hat hohen
Busch, der bis zum oberen Rande des Bildes ansteigt und in
seinem Nacken flattert. Der Chiton ist ähnlich, aber reicher
gemustert wie beim Gegner.

Die Beziehung dieser Scene einer axicqtaxia auf den ejuicc-
cpiog dyoov ergibt sich im Allgemeinen aus der Ausschliesslich-
keit, mit welcher diese Gefässgattung zur Zeit dieses Exem-
plares, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, den Toten-
kult darstellt, und im Besondern daraus, dass der Kampf
eben vor einer Grabstele stattfindet. Solche Ehre aber wird

1 Auf der Photographie erscheinen die Farbentöne dunkler als am Ori-
ginal. Eine blasse Füllfarbe ist verwendet, um einzelne der weiss bleiben-
den Flächen durch den Contrast stärker herauszuheben, so am Akanthos
und den Ornamentstreifen der Stele, beim Angreifer am Helm und dem
Schildrand über der Lanze und am Chiton; der helle Fleck über dem 1.
Oberschenkel beruht auf Verletzung. Pastoser Farbauftrag ist dunkelrot
für die Schildhöhlung, den Speer und tupfenweis für den Bügel des Helm-
busches gewählt. Der über das 1. Knie zurückgeschlagene Teil des Chitons
war ziegelrot mit ausgesparter weisser Angabe der Falten, ausserdem waren
am Chiton oben und unten mit jetzt vergangener Farbe grosse runde Tupfen
in je zwei Reihen aufgesetzt. Am Schilde ist der Bügel grüngrau (wie auch
der Bart des Mannes); die in der Photographie nicht erscheinenden Ringe
für das Riemzeug sind schwarz, die Riemen selbst waren anscheinend weiss
auf den dunkelroten Grund aufgesetzt. Am Zurückweichenden ist pastös
nur der rote Bügel des Helmbusches und mit verdünnter Farbe der Chiton
gemalt, der von oben bis unten ein Tupfenmuster hatte.
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