Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 208
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A. BRUECKNER

ebenso wie der Fackellauf nach den gesetzlichen Beschrän-
kungen des privaten athenischen Totenkultes eben nur im
Kerameikos erlaubt und nur den im Kriege Gefallenen er-
wiesen worden sein. Das Bild veranschaulicht also einen der
aycoveg Qcopr}g, welche durch Lysias II 80 (s. S. 202 Anm.) ange-
zeigt sind, eine der Arten der dao8e[|eig ev toR öjtXoi?, welche
im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, soviel aus den In-
schriften zu erfahren, nur die Epheben mehr leisten. Für die
grossen kriegerischen Zeitläufte des fünften Jahrhunderts
lehrt der bärtige Hoplit, dass auch die Kameraden der Gefal-
lenen nach der alten Sitte des Epos ihre Waffenkunst zeig-
ten, auch von ihnen ein aycbv oaKti]? oder eüavSpioo; bei den
Epitaphien stattfand.

4) Dass auch die Ritter dabei nicht fehlten, wäre selbst-
verständlich; ausdrücklich bezeugt es die Hinweisung auf
die ijtiuxo! dyüaveg im Menexenos, und auch in den Gesetzen
Platos kehren sie wieder. Schon auf den Prothesis-Lutropho-
ren des sechsten Jahrhunderts ist das Pferderennen übli-
ches Ornament. Dazu fügen sich aus dem fünften Lekythen
mit dem Bilde eines Reiters, der an einer Grabstele vor-
übersprengt (Collignon-Couve 1406, Berlin 2677); auch da, wo
diese fortgelassen ist, wie bei Collignon-Couve 1843, abgeb.
American Journal of Archaeology XI 1907,28, bleibt doch
auf der Totenlekythos die gleiche Deutung des Bildes mög-
lich. Freilich ist dabei nicht ausser Acht zu lassen, dass auch
die Beziehung auf Darstellung des Verstorbenen selbst als
Reiters, auch als kämpfenden Reiters sich begründen lässt 9
Das ist aber ausgeschlossen bei dem Bilde einer rotfigurigen
Lekythos, das in Abb. 2 nach seiner ersten Veröffentlichung
im American Journal of Archaeology X 1906 Taf. 17 wieder-
holt ist, ebenfalls im Besitze des athenischen National-Mu-
seums, Nr. 12133, aus einem Grabe von Eretria. Denn hier
streckt der jugendliche Ritter seine Hand im Gestus der
Grabanbetung vor dem mit Binden geschmückten Grabmal aus,
sei es nun dass er sich zur öffentlichen Feier einstellt, sei es

1 Vgl. Pottier in den Monuments grecs 1882-84, 20 zu pl. 3 und den
S. 232 f. abgebildeten Krater.
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