Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 211
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KERAMEIKOS - STUDIEN

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3. Die Grabsteine des Polyandrion.

Über den Aufbau des Polyandrion und über die Aus-
schmückung der einzelnen Massengräber in ihm werden An-
gaben nicht gemacht, keine Unterschiede bemerkt. Es wird
auch wenig darüber zu sagen gewesen sein. Alles, was wir
darüber lesen, beschränkt sich darauf, dass Stelen mit den Na-
men der Gefallenen bei den Gräbern gestanden haben, Paus. I
29,4: xai acpcöv eotccaiv gjtl toic; racpoic; otfjAcu ta övöfxata xai tov
öfjpov exdarou Asyoeoai, woran nach den erhaltenen Listen zu
berichtigen, dass nicht der Demos, sondern die Phyle ange-
geben war. Nach ständiger athenischer Gräbersitte ist anzu-
nehmen, dass über einheitlicher Fassung die Grabhügel auf-
geworfen waren und vor ihnen, den beiden Wegen zugekehrt,
die Stelen als einziger Marmorschmuck standen. Der Schatten
der Bäume wird nicht gefehlt haben; wenn Kimon drinnen
den Stadtmarkt mit Platanen bepflanzte und draussen die
Akademie zu einem wasserreichen, schattigen Park umschuf
und überhaupt, wie Plutarch Kimon c. 1 3 sagt, mit den A.eyo-
pevaig eiVuüeQioic; xai yXacpapak; öiatpißaig, aci puxQÖv flatepov
ujreQcpvax; f)ya;n;r){)T]Gav, Athen verschönert hat, so wird er zu-
mal die weite Anlage, die seinen Kriegern gewidmet war
und seiner Politik diente, mit besonderer Sorgfalt ausgestat-
tet und gepflegt haben. Eben in dieser Richtung ist der
Grundzug der Anlage zu suchen: der weite Raum, die strenge
Ordnung, die Schlichtheit der Grabmäler begründeten die
Vornehmheit dieser Ehrenstätte des Demos und haben sie
immer ausgezeichnet, auch als die privaten Grabbezirke sie
später, seit dem Sturze des Areopags, durch die Schönheit
und den Reichtum ihrer Denkmäler überflügelten.

Was die Denksteine des Polyandrion angeht, so gibt
für seine Stiftungszeit den nüchternen Gesamteindruck das
Ehrenmal, welches damals der Demos dem Proxenos von Se-
lymbria Pythagoras vor dem Heiligen Tore errichtet hat,
ein geradliniger Pfeiler, ohne Profile, auf breiter abgestufter
Basis; was an Malerei schmückend hinzutrat, konnte die
Schlichtheit des Umrisses nicht ändern; vgl. Friedhof am
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