Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 222
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.17
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29170.18
DOI Seite: 10.11588/diglit.29170#0234
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1910/0234
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
222

A. BRÜECKNER

des vierten vorchr. Jahrhunderts führen die Formen der Buch-
staben, ihre Schlichtheit und Klarheit durchweg und im Be-
sondern das E mit den drei gleich langen Parallelstrichen.

Lysanders Niederlage und Tod bei Haliartos im Herbst
395 hat den Bund der Athener und Böoter mit den Korin-
thern und Argivern gegen die Hegemonie der Spartaner be-
fördert. Von den Jahren, welche der sog. korinthische Krieg
dauert, 394-386, entspricht allein das erste der Grösse dieses
Denkmals. Im Juli 394 fand die grosse Feldschlacht am Ne-
mea-Bache östlich von Korinth statt, in der an 50000 Mann
einander gegenüber standen, bis zu jener Zeit die grösste
Landschlacht von Griechen gegen Griechen. Von den Athe-
nern, die mit ihrem ganzen Aufgebot ausgezogen waren
(Lys. III 45. Andok. III 18), fochten in ihr 6000 Hopliten und
600 Reiter (Xenoph. IV 2,1 7). Aufgestellt auf dem linken Flü-
gel der bundesgenössischen Schlachtreihe hatte ihre Truppe
ein ungleiches Schicksal: vier Phylen gerieten an die Tegea-
ten, warfen sie zurück und setzten ihnen nach, während die
anderen sechs im unübersichtlichen Gelände, vom rechten Flü-
gel der Spartaner her umgangen, unter grossen Verlusten auf
Korinth zu flüchteten und damit den Feind auch die übrigen
Truppen aufrollen Hessen. Bis in die Nacht hinein währte
der Kampf, zumal die Mauern von Korinth den Geschlage-
nen keine unbedingte Zuflucht boten (Demosth. XX 52). Den
Gesamtverlust der Verbündeten gibt Diodor XIV 83 auf 2800
Mann an. Davon muss auf die Athener ein beträchtlicher Teil
gekommen sein, da der Kampf sich bei ihnen entschieden hat.

Kaum einen Monat später sperrten die Bundesgenossen
dem König Agesilaos auf seinem Heimzuge von Kleinasien
in Böotien den Weg und wurden von ihm bei Koronea be-
siegt. In dieser Schlacht betrug der Gesamtverlust der Bun-
desgenossen über 600 Mann (Diod. XIV 84). Die Athener be-
hielten währenddem ihren Posten bei Korinth und schickten
nur eine Abteilung ihres Heeres von dort zu Hilfe (Lysias
XVI 16). Aus demselben Jahre besitzen wir noch die Inschrift
des Denkmals, welches die Ritterschaft der Akamantis ihren
Kameraden gestiftet hat; sie zählt 11 Gefallene bei Korinth,
einen bei Koronea (siehe oben S. 192).
loading ...