Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 225
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KER AMEI KOS - STUDIEN

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den die Linke festhält. Er hat, wie der Körper auf den Ober-
schenkel gefallen ist, weder die Kraft noch die Mittel zu
Gegenwehr und Rettung. Im Netz der siegreichen Feinde
ist er gefangen. Werden sie ihm den Tod geben oder die
Schmach der Gefangenschaft gewähren ? Sein nächster Geg-
ner dringt im vollen Schmucke der Waffen auf ihn ein. Auf
dem Haupte den Helm, dessen hoher Busch im Reliefgrunde
Umrissen ist, in der Linken den Schild und das Ende des
Speeres haltend, an der Seite das Schwert in der Scheide,
riss er mit der Rechten dem Gegner am Haar den Kopf zu-
rück— über der Schläfe eine breite Ansatz- und Bruchfläche—
und stemmte, zugleich weit ausschreitend, ihm das linke
Knie in den Nacken. Der tappt dagegen nach dem anderen
Knie seines Bezwingers, wie der Alkyoneus in der Gruppe
der Athena am pergamenischen Altar: dem Giganten dort
gibt die Schlange der Göttin den Tod, den Hellenen hier
wird der Hoplit zwingen sich gefangen zu geben.

Die Handlung der Mittelgruppe ist in sich abgeschlos-
sen, aber dennoch droht im Getümmel den Blicken des Unter-
legenen eine zweite Gefahr. Ein jugendlicher Ritter sprengt,
auf dem starken Rücken des Pferdes sicher sich wiegend,
heran. Er verbleibt in seiner gemessenen Haltung, der die
gewählte Tracht entspricht, ein buschloser fest aufsitzender
Eisenhut mit Nackenschutz 1, ein in ruhigen Faltenzügen
knapp und schlicht anliegender Chiton, über dem das Schwert
an breitem, den Rücken überquerenden Ortbande hängt. Er
holt wohl aus mit der Lanze, aber sie ist mit nicliten auf den
wehrlosen Mann gerichtet. Da zuzustossen wäre unritterli-
ches Morden. In seinem Gesicht ist keine Miene verzogen,
die kräftigen Lippen sind festgeschlossen; in Pflichtgefühl
und sprödem Selbstbewusstsein erscheint er wie ein Abbild
des Mantitheos des Lysias als einer der cpüioupooc xcd xoapLar;
jicdateudpevoi (XIX 18). Sein Pferd ist mit Xenophon zu be-

1 Diese Helmform scheint sonst noch nicht belegt. Zum Vergleiche
verweist mich Br. Schröder auf Helme in Pilos-Form mit angesetztem
Nackenschutz z. B. auf der thebanischen Stele BCH. 1902 T. VII und im
Friese von Phigalia Brunn-Bruckmann T. 89.
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