Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 229
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KER AMEI KOS - STUDIEN

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len, entspricht der Art des Feldzuges; denn nach Potidaia
hatten die Athener nur Hopliten entsandt, wie Thukydides
I 57. 61 ff. berichtet.

Bei dem weiten Abstande, in welchem das Bildwerk die-
ser Denkmäler sich von den wirklichen Hergängen hält, mag
mancher von vornherein nicht weiter nach der Absicht der
Darstellung fragen wollen, sondern sich dabei beruhigen,
dass der Künstler zu lediglich ornamentalem Zwecke, so wie
es ihm nach den überkommenen Schönheitsgesetzen einfiel,
ein paar an den Kampf im Allgemeinen erinnernde Typen
angebracht habe. Hält man die Interpretation damit für er-
ledigt— wie ich es selbst vor Jahren in den Sitzungsberich-
ten der Wiener Akademie CXV 1 888,523 getan habe—, so
bleibt zweierlei immer befremdlich. Erstens die Abweichung
vom wirklichen Kampfe in der Tracht, denn den Körper ver-
hüllende Schutzwaffen fehlen. Zweitens ist zu bedenken, dass
diese Reliefstreifen der einzige figürliche Schmuck der Krie-
gergrabmäler des Demos gewesen sind. Daher kommt ihnen
eine über nur ornamentale Wertung hinausgehende Bedeu-
tung zu. Das Werk des Künstlers, wie wir sehen vom festen
Herkommen bestimmt, musste der weihevollen Stätte und
dem Glauben entsprechen, auf welchem die Totenfeier im
Kerameikos basierte. Nach diesem sind die Gefallenen in
den Zustand der Heroen durch das Sacrament des für die
Vaterstadt vergossenen Blutes erhoben. cErst der Tod, der
Heldentod, macht den avf)Q dyaüöi;. WprpcpaTOug yag üeol tipoÖGL
xal avüpcojroL, sagt selbst HerakleitosV Ai/örp) ftev \|nt)(d<; uaeSs-
|ato, oxojytata 8e xüobv] |tööv§s lautet ja das eine Epigramm un-
ter dem verlorenen Relief der Verklärten von Potidaia, wo-
mit die unter Simonides1 Namen in der Antliol. VII 251 ste-
henden Verse eines anderen Staatsdenkmals zu vergleichen:
of)8e Tcüvdoi \)avovxeq, eaei acp° dp>etf| xahuasphe | xuSaivoua’ dvdyet
Scopatoc; e| ’Ai8eo). Für ihr Leben tauschten sie die dpetrj ein,
sagt ein anderes Epigramm des Denkmals für Potidaia:

8= dvuQQcJaa üevTeg] j fipdija^avt’ dperpv xal aatpfiöj ei>-

1 Wilamowitz, Aristoteles und Athen II 411; Diels, Fragmente der Vor-
sokratiker 70, 24. Vgl. Plato, noArela V 468 E.
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