Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 230
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A. BRUECKNER

>d[eiG(xv. Daraufhin zielen auch die Leichenreden. Sie sind
darin den Darstellungen der Denkmäler gleich, dass sie nur
in der allgemeinsten Weise die tatsächlichen Begebenheiten
der Feldzüge andeuten; sie heben vielmehr von den Ver-
diensten der Heroen und der im Kampfe Gefallenen Vorfah-
ren an, um es auszuführen, dass diese jüngst verstorbenen
Krieger durch ihren ruhmvollen Tod gleich jenen der Stadt
gedient und dadurch gottselig, suöcupovec;, geworden sind. In
der Darstellung ihres glücklichen Loses und der ewigen Eh-
ren, die ihnen von den überlebenden Bürgern und im Jen-
seits von den Göttern und den vorangegangenen Heroen her
sicher sind, gipfeln, je nach der Eigenart des Sprechers, die
Reden des Perikies und Hypereides und die unter Lysias’,
Platos und Demosthenes’ Namen erhaltenen. Ihnen zu Ehren
werden vor ihren Gräbern Agone veranstaltet. Darum ist ihr
pvfjpcc mit Absicht nicht so sehr ein Erinnerungsbild an das,
was den Kriegern in ihrem Kampfe widerfahren ist, sondern
welcher Gestalt sich ihrer die Stadt ewig erinnern wird. Sie
geniessen von ihren Gräbern aus den Anblick der Agone, die
vor ihren Denkmälern auf der Strasse zur Akademie statt-
fanden. Damit vertrug es sich nicht, ihren Tod darzustellen,
sondern sie erscheinen, "wie man die Götter und Heroen
malt’, in der vollendeten Schönheit ihrer Körper.

In welchem Sinne diese Darstellungen tatsächlich auf-
gefasst worden sind, dafür besitzen wir überdies eine zeitge-
nössische Interpretation in dem Gemälde des Thonkraters, der
in Abb. 7 und 8 abgebildet ist1 * * *. Dargestellt ist eine Kampf-
scene in malerischer Perspective. In der Mitte ein Paar im
Schema des Dexileos: der Ritter sticht mit der Lanze auf
einen Gestürzten ein, der sein Schwert zu spät aus der

1 In Tübingen in Privatbesitz. Nach Angabe des Besitzers in Athen er-

worben. Gesamthöhe 0,23, Bildhöhe 0,102, Dm. am oberen Rande 0,21 7.

Der auf unserer Abb. 7 links nicht mehr erscheinende Satyr ist in rück-

weichender Bewegung wie der rechts, ist auch wie dieser hinter dem Berg-

gelände nur bis zu den Oberschenkeln gezeichnet; er hebt, sich umschauend,
beide Arme, den rechten nach vorn, den linken nach hinten. Auf der Rück-
seite drei 'Manteljünglinge5, der linke nach rechts, die zwei anderen nach
links, jeder den r. Arm gerade ausstreckend.
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