Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 239
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HEILIGE STÄTTEN IN DELPHI 239

des V. jahrh. zu gehören. Der Stylobat besteht nämlich nur
aus zwei Stufen von ungleicher Höhe (33 und 42 cm), und
vor allem war die Peristasis nicht mit Steinplatten belegt,
sondern mit einem Estrich oder Erdfussboden versehen, was
nur bei älteren Tempeln vorzukommen scheint (dem Heraion
in Argos und in Olympia, der sog. Basilica in Paestum, den
'Tavole Paladine3 von Metapont, vielleicht auch dem alten
Tempel von Pompeii). Die spärlich verwendeten Klammern
(zwei Stück von 31 und 22 cm Länge) zeigen schon die Form

|-1, deren ältestes Beispiel wieder der Pisistratiden-Tempel

der Athena ist1. Bedeutsam ist endlich die Verwendung von
Eliasstein im Fundament. Nach alledem gehört auch dieser
Tempel in das Ende des VI. Jahrhunderts.

Die Ausdehnung des beschriebenen Baues war bedeutend
grösser als die seines oben erwähnten Vorgängers, dessen
verschiedene Baureste in seinen Fundamenten steckten. Um
Platz zu schaffen, hat man zunächst in die nördliche Stütz-
mauer eine Nische eingeschnitten 2, gleichzeitig aber auch
nach Osten, Süden und besonders Westen den Bezirk bedeu-
tend erweitert. Die sehr charakteristische Technik der neuen
Mauer (grün) kann etwa als Kurvenpolygonal bezeichnet
werden: die Fugen der gut polygonal gefügten Steine, deren
Oberfläche meist gepickt und ziemlich glatt ist, verlaufen in
Kurven3; sehr ähnlich, aber noch bizarrer und ausgeprägter

1 [Nach Kurt Müllers Mitteilung kommen diese Klammern auch schon
in dem von Heberdey zusammengesetzten Porosgiebel mit der Einführung
des Plerakles vor].

2 Man hat noch nicht beachtet, dass die Mauern in der für den Tem-
pel eingeschuittenen Nische eine jüngere Technik zeigen als die Terrassen-
wand bei den Altären. Übrigens sind von der Stützmauer nördlich der Mar-
mortempel und westlich der NW-Ecke des Porostempels so dürftige Reste
vorhanden, dass sich nicht mit Sicherheit sagen lässt, ob sie der ' grünen’
oder der 'roten’ Periode angehören. Aus allgemeinen Gründen ist das letzt-
erwähnte Stück der ' grünen’ Periode zuzuschreiben; die erste stammt viel-
leicht aus der 'roten’ Zeit (so Karo 216), jedenfalls muss dort auch damals
eine Stützmauer vorhanden gewesen sein.

3 Vgl. auf Tafel XIV das im Schatten liegende Mauerstück links der
Säulen, ferner Homolle X 1901, 363 Abb. 2. [Keramopullos, ’Ecp. dp*/. 1909,
268 (vgl. 270 A.) datiert die Mauer nach 478 oder sogar nach Herodot, weil
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