Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 242
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A. FRICKENHAUS

rechten Fugen laufen nicht vollkommen durch, aber die
Tendenz sie durchzuführen ist vorhanden. Die Mauer ist
gleichzeitig mit dem Tempel, dessen wundervolle Kalkstein-
architektur bis auf wenige Teile verloren ist. Homolle (366)
setzte ihn nach dem allgemeinen Eindruck ins IV. Jahrh.,
Keramopullos (76) und ihm folgend Pomtow (Zeitschr. f.
Gesch. d. Arcliit. X 1910,138) wegen der Ähnlichkeit mit dem
Thebaner-Schatzhaus um das Jahr 370, was zu den Schlüs-
sen von M. Schede (Antikes Traufleistenornament 34 und 69)
passt; vielleicht darf man auch vermuten, dass er mit den
nach der axdoiq von 363 confiscierten Geldern erbaut wurde.
Möglicherweise entstand er aber erst nach dem Gallierzug
von 279; denn wenn damals von Diodor (exc. Vat.) XXII
fr. 20 Becker zwei vaoi jtavte^cog aQ/cdoi der Artemis und der
Pronaia erwähnt werden, so muss damals wohl der Poros-
tempel noch benutzt worden sein. Übrigens ist nach unserer
Meinung an dem Tempel alles einheitlich: die seitlich her-
austretende Vorhalle, der Plattenfussboden, die bankartige
Kultbildbasis; vielleicht wird durch Nachweis ähnlicher An-
lagen noch eine genauere Datierung gelingen 1.

Gleichzeitig mit dem Bau des beschriebenen Tempels
wurde der baufällige Porostempel aufgegeben. In römischer
Zeit war auch der dorische Marmortempel leer; in dem ioni-
schen waren Kaiserstatuen auf gestellt. Aus der noch jetzt
vorhandenen Basis für diese lässt sich übrig'ens noch mehr
gewinnen als bisher geschehen ist. Die Stemmlöcher auf der
oberen Steinreihe lehren, dass über ihnen fünf Platten lagen,
von denen die mittlere etwa 140, die anderen je etwa 95 cm
breit waren; alle waren reichlich 110cm tief. Vermutlich
stand in der Mitte Augustus, rechts und links von ihm und
kleiner als er je zwei Kaiser.

Nachdem wir so die allmähliche Entwickelung des Hei-

1 Heberdey (bei Karo 217) hält den Tempel für umgebaut, was ich
nach genauer Untersuchung nicht zugeben kann. Wer sich auf der allein
erhaltenen Euthynteria die Stufen ergänzt, bemerkt sofort dass der Fuss-
boden niemals tiefer als der vorhandene gelegen haben kann; dass aber
die nicht sichtbaren rostartigen Fussbodenträger zu roh für die ursprüng-
liche Anlage wären, kann ich nicht glauben.
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