Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 244
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A. FRICKENHAUS

schendste ist nun, dass im Pronaia-Bezirk im ganzen drei
Göttinnen verehrt wurden. Wer das aber ernsthaft überlegt,
der muss sich auch (wie zuerst v. Premerstein tat) erinnern,
dass den drei parallelen Altären auch drei parallele Tempel
entsprechen, nämlich der Poros- und die Marmortempel. Dass
der östliche Altar und der östliche Tempel zu der Pronaia
gehörten, wird jetzt wohl jedermann zugeben; aber eben so
sicher wird man folgern dürfen, dass die beiden Marmortempel
der Eileithyia und Hygieia und vermutlich dieser der dorische,
jener der ionische geweiht waren. Pausanias, der ja stets ge-
nau zwischen ürjaanQoi und vcxoi scheidet (Petersen, Rhein.
Mus. 1909,496), nennt die Marmorbauten bekanntlich vaot,
aber aus dem Zustand, in dem er sie vorfand, ist für ihre alten
Kulte kaum etwas zu entnehmen; diese waren offenbar längst
eingeschlafen, wie Pausanias sonst so oft angibt1.

Die zwei Marmortempel sind gegen das Ende des VI.
Jahrh. entstanden, die zugehörigen Altäre offenbar viel frü-
her: sollten keine älteren Tempel existiert haben? Diese
können ja nun an derselben Stelle wie die späteren Marmor-
tempel gestanden haben, aber im vorliegenden Fall ist noch
eine andere Möglichkeit zu erwägen. Können nicht die zwei
uralten Tempelchen auf der Terrasse über den Altären, dort
wo man jetzt meist mit Unrecht den Phylakosbezirk ansetzt2,

1 Robert 285 schloss aus der angeblichen Tatsache, wonach vor den
Marmortempelchen keine Altäre ständen, dass es deshalb keine Tempel
wären. Aber w^eil sowohl Pausanias als Plutarch (siehe unten) von vaoi spre-
chen, müssen wir die Altäre suchen; und ebenso wie nach der allgemeinen
Annahme der der Athena parallel neben dem Tempel steht, so kann auch
die seitliche Lage der beiden anderen Altäre nicht unmöglich scheinen.
Diese selbst sind trotz der jungen Inschriften sicher alt; ihre Lage erklärt
sich vielleicht auch daraus, dass möglicherweise die ältesten zu ihnen ge-
hörigen Tempel nördlich von ihnen lagen (siehe unten).

2 Das Heiligtum des Plnylakos lag nach Herodot xaOujtsgfle toü Igoü
vrjg nQOvrpr|<;, also irgendwo oberhalb der 'grünen3 Bauten (leQOV=Bezirk).

Die grosse Heerstrasse, an der es ausserdem gelegen haben soll (Trag’ aunjv
tt)v oööv), muss südlich um den Bezirk herumgeführt haben (vgl. die Ein-
gangstreppe). Es ist aber ganz unmöglich (wie Karo 221 mit Andern denkt),
dass sie über die kleine Terrasse nördlich der Altäre gegangen sei, denn
hier kann höchstens ein -winziger Pfad angenommen werden; sie wird viel-
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