Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 245
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HEILIGE STÄTTEN IN DELPHI 245

die alten Kultstätten der Eileithyia und Hygieia sein, die
um 500 aus ähnlichen Gründen wie später der Porostempel
weiter nach Westen verlegt wurden? Vielleicht scheint die-
sem oder jenem der Vorschlag glaublich, der im übrigen ganz
unwesentlich ist.

Nun endlich verlangt aber eine wichtige Plutarchstelle
(praecepta reip. ger. 32,825 B) eine neue Erörterung1. Be-
kanntlich sollen alle inneren Zwistigkeiten in Delphi auf den
Streit zweier Familien zurückzuführen sein. Mitglieder der
einen wurden sv toöi ieqüh rrjg ITpovcuas ermordet; zur Sühne
richteten die Delphier die Mörder hin, confiscierten ihre
Güter und ex tcöv ^QTipatoov svayixtov jiQOGayoQeuüevtcov toüg
xatco vaopg dvcpxo8öpr)aav. In den xdtco vaoi haben zuerst Wie-
seler und unabhängig davon Köhler die Tempel im Pronaia-
Bezirk vermutet; Pomtow bestärkte das durch den Nachweis,
dass um die Marmortempel herum 2 die Steinurkunden spä-
terer Confiscationen aufgestellt waren. Danach bezeichnet
man jetzt jene zwei Bauten als vaoi evayixoi und denkt sie
als eine Art Schatzhäuser, trotzdem auch Pausanias von v«ol
spricht. Nun haben wir aber oben aus den Altären die Gott-
heiten der zwei Marmortempel erschlossen und ausserdem

mehr nach der Passierung des ieqov sich dem Abhang wieder genähert und
dann die Richtung nach Westen zu eingeschlagen haben. Zur Wanderung
des Pausanias passt nur eine Lage des Phylakos nw. über dem Bezirk ;
dort sind auch wirklich bereits einige alte Bruchsteinmauern sichtbar, über
denen aber noch nicht gegraben wurde.— [Wenn der Phylakos-Bezirk über
dem der Pronaia lag, so braucht deshalb doch die grosse Strasse nicht
oberhalb des letzteren vorbeigeführt zu haben, wie Keramopullos, ’Eqp. dp^.
1 909, 263 ff. aunimmt. Vielmehr erklärt sich die Bedeutung der Göttin als
Pronaia und ihr Eingreifen gegen die Perser und Gallier nur dann, wenn
ihr Bezirk an der grossen Heerstrasse lag; diese aber kann nach den Orts-
verhältnissen nur unterhalb, bei der Treppe, angenommen werden].

1 Vgl. Wieseler, Göttinger Studien (1 845) Abt. 2, 243 ; Köhler, Rhein.
Mus. LIII 1898, 485 ; Pomtow, Klio VI 1906, 120 und 412.

2 Vgl. im Plan die durch die Zugänge zu ihnen unterbrochenen schwar-
zen Linien. Die Gesamtlänge der für Inschriftstelen benutzten Rinnen be-
trägt (von Westen nach Osten): 8,00 -j- 2,40 —]— 7,50 —3,20 —10,00 = 31,10 m.
Pomtows Berechnung (Klio VI 1906, 415 A. 3) auf 33,15 m übersieht die
Durchgänge.
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