Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 252
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A. FRICKENHAUS

die sich nördlich des grossen Altars von der Hauptstrasse
abzweigt, und weiter östlich, wo man in die Tiefe gegraben
hat, ist der untere Teil einer alten Bruchsteinmauer zu Tage
gekommen, die vermutlich gleich an die grosse Aussenmauer
des Temenos anschloss.

Dass man nur an der einen Stelle östlich der erhaltenen
Polygonalmauer zu der nächsthöheren Terrasse hinaufsteigen
konnte, wird nun auch allgemein angenommen und ist voll-
kommen sicher. Unrichtig ist aber die weitere Meinung, die
in den vorhandenen Reconstructionszeichnungen ausgespro-
chen wird, dass in der Richtung der Buchstaben A—B ein
breiter Weg nach der Gegend des noch höheren sog. Neo-
ptolemos-Temenos und des thessalischen Weihgeschenks hin-
aufführte. Im Gegenteil lässt sich beweisen oder wenigstens
sehr wahrscheinlich machen, dass die beiden letztgenannten
Terrassen, von denen wir die untere als Mittelterrasse be-
zeichnen, überhaupt keine directe Verbindung hatten.

Das Hauptmonument der Mittelterrasse bildet ein Ge-
bäude aus Poros, von dem nur ein Teil der Fundamente
erhalten ist; man hat es vermutungsweise als Schatzhaus
von Korinth, von Klazomenae, von Akanthos bezeichnet k
Vor seiner Westseite liegt eine Bruchsteinmauer, die nach
Westen hin Fassade hat und als Unterlage für mindestens
fünf (im Plan teilweise ergänzte) primitiv zugerichtete Kaik-

1 Die Deutung auf Korintli (C. Smith bei Frazer, Paus. V 295) fällt jetzt
weg, nachdem Karo und Pomtow unabhängig von einander das Korinther-
Schatzhaus fanden. Karo (BCH. XXXIII 1909, 211 mit Plan fig. 3) dachte
vermutungsweise an Klazomenae. Akanthos (Pomtow, Berl. phil. Woch.

1906, 1180—1909, 220= Keramopullos, 52) ist vollkommen ausge-

schlossen, weil die Datierung auf das VI. Jahrh. (trotz Pomtow, Berl. phi-
lol. Woch. 1909, 1000) wegen der verwendeten Schwalbenschwanzklammern

gesichert ist; und nur um einer durchaus nicht zwingenden Vermutung
willen darf die überlieferte Bauinschrift nicht angezweifelt werden: Plut.

de Pjdhiae or. 400 F, 401 C. Auch das zugehörige archaische Capitell (er-
wähnt von Karo, BCH. XXXIII 1909, 21 1) spricht für das Alter des Baues;
leider ist es nicht mehr mit Sicherheit zu identificieren, es scheint aber nach
A. Kontoleons Angaben mit einem der drei alten Capitelle Inv. Nr. 4657,

4660 oder 4659 identisch ; die beiden ersten von diesen weist Pomtow1 * * * * * 7 seiner

alten Tholos zu (Zeitschr. f. Gesch. d. xVrch. III 1910, 148).
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