Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 255
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HEILIGE STÄTTEN IN DELPHI 255

Gelon- Basis stiessen also drei Stützmauern sternförmig zu-
sammen: eine ging um die sicilischen Weihgeschenke herum
nach Osten hin (Polygonalmauer), eine andere bildet das
grosse taxsyaov, eine dritte und offenbar gleichzeitige führte
zunächst bergauf nach Norden und bog dann wagrecht nach
Osten zu um (Inschriftenwand).

Mit dieser Feststellung schwindet nun die Möglichkeit,
von der Mittelterrasse her direct zur oberen aufzusteigen :
der bisher angenommene Weg in der Richtung A - B war
nie vorhanden. Wenn aber Pausanias vom Tempel her nach
links ging und auf diesem Wege überhaupt nicht bis zum
thessalischen Weihgeschenk hinaufgelangen konnte, so muss
der Neoptolemos - Bezirk eben weiter abwärts gelegen haben.
Der Leser hat wahrscheinlich schon bemerkt, dass offenbar
die Mittelterrasse selbst der gesuchte Bezirk ist. Ist sie doch
nach allen Seiten von z. T. sehr alten Mauern umgeben;
selbst das grosse loyßyaov des IV. Jahrh. hat diesen Bezirk
respectieren müssen. Er hat nur einen einzigen Zugang und
gerade bis zu diesem führt ein Zweig der grossen Processions-
strasse. Im ganzen Apollo-Bezirk sind nur die Wege gepfla-
stert, auf denen sich die Processionen bewegten; aus Helio-
dor aber wissen wir, dass auch Neoptolemos einen Festzug
erhielt; zu dem bisher so genannten Temenos führt keine
Pflasterstrasse hinauf.

Im Inneren des Bezirks sah Pausanias das Heroengrab
und den heiligen Stein. Der letztere könnte sehr gut in dem
archaischen Porosgebäude, das bisher stets als Schatzhaus
angesehen wurde, verwahrt worden sein. Weil dessen Niveau
aber mehr als 2 m über der Stelle des Eingangs liegt, so
wird (da Stufen nicht erhalten sind) der Weg in einer Schleife
vor das Tempelchen geführt haben, ähnlich wie es der Plan
andeutet. Auf diesem Wege wird Pausanias das Heroengrab
besichtigt haben; ich möchte es in der Gegend bei A anneh-
men und eine Versuchsgrabung in diesem Teil der Terrasse
dringend empfehlen; möglicherweise darf man auch an den
westlichen Zipfel des Bezirks denken und einen Zusammen-
hang mit den hier aufgestellten Inschriften vermuten. Pau-
sanias bezeugt, dass man zu dem Grabe hiuabstieg; eine Tief-
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