Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 256
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.17
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29170.19
DOI Seite: 10.11588/diglit.29170#0268
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1910/0268
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
256

A. FRICKENHAUS

grabung könnte also vielleicht über die vorgeschlagene An-
setzung entscheiden.

Nach Pindar Nem. VII 43 ruhte der Heros ev8ov c&oei
jtaXaitdtooi üeoü rcag’ eüteixea Söpov. Die erste Bestimmung hilft
uns zur Reconstruction des landschaftlichen Hintergrunds
der untersuchten Ruinen; von der zweiten ist wohl klar, wie-
viel besser sie zu der neuen Deutung passt: der Bezirk liegt
unmittelbar neben der NO-Ecke des Tempelplatzes, nicht
höher hinauf am Abhang. Und nur so ist auch der weitere
Gang des Pausanias zu erklären, über den der folgende Ab-
schnitt handelt.

III. KASSOTIS.

Pausanias X 24, 7 : Ionen de mg eju röv vaöv oaühg per« xov
Xiüou tf]v üeav eotiv f| Kaoootig KaAonpevi] jrrjyip tei^os 8e on
peya Ire5 aorrj, xal f] ävobog Sia ton leixong eotiv eju tf]v jtrjyfjv.
xavxv\g tfjs Kaaoou8og Sneahai te xatd tfjg yfjc ÄEyonoi to I’Sooq
xal ev tcö dSotco ton ÜEon xäg ynvalxag pavTixag Jtoieiv tf)v 8s
tfj xppvr] SESoaxniav to ovoua töv jteqi tov naQvaoöv vnpcpöov
cpaaiv Eivai.

Diese Stelle ist schon lange eine crux der delphischen
Topographie, und musste es sein, solange der Neoptolemos-
Bezirk falsch bestimmt war; irreführend war auch die Lage
des modernen Kassotis-Brunnens l. Indem wir darauf verzich-
ten die bisherigen Verlegenheitsvorschläge im einzelnen zu
widerlegen2, folgen wir getrost dem Pausanias. Er geht nach

1 Er ist am deutlichsten auf dem Plan des modernen Kastri, BCH. 1897
T. 14. 15 zu erkennen, vgl. auch den Plan der Fouilles II T. 5. Das nördlich
davon liegende Gebäude, dem die neueren Pläne den Namen Kassotis bei-
schreiben, scheint einen ähnlichen Grundriss wie die Lesche der Knidier
gehabt zu haben ; es war aber zur Zeit des Theaterbaus bereits verschüttet
(vgl. Keramopullos, USriyog 64), denn es wird von Mauern des Theaters
überbaut, kommt also auch zeitlich für Pausanias gar nicht in Betracht.
Erhalten sind von ihm die Fundamente der Südwand und der (auf den
Plänen unrichtig wiedergegebenen) Ostwand.

2 Vgl. Pomtow, Beiträge zur Topogr. von Delphi 42 A. 1 und Frazer
Pausanias V 355; [ferner Hitzig-Blümner, Pausanias III 2 p. 753]. Frazer
sagt, dass gleich oberhalb der modernen, östlich vom Theater liegenden
Quelle Reste einer antiken Mauer und über dieser wieder ein aus dem Bo-
loading ...