Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 257
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HEILIGE STATTEN IN DELPHI

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der Besichtigung des Kronossteins wieder cin der Richtung
auf den Tempel zu3 und zwar auf demselben Wege wie vor-
her (odSfhg). Das ist nach den Ausführungen des vorigen Capi-
tels ohne weiteres verständlich; haben wir doch nachgewie-
sen, dass vom Neoptolemos-Bezirk kein directer Weg nach
aufwärts führte. Pausanias musste also zum Tempel zurück-
kehren und dann zwischen ihm und der nördlich aufragen-
den Terrassenmauer, die zuerst Bourguet, BCH. XXVI 1902,
68 A. 1 mit dem im Jahre des Aristoxenos (355) gebauten
taxeyaov identificiert hat, hindurchgehen. Wie aber konnte
man in seiner Zeit von dieser Gegend her zum obersten Teil
des Heiligtums gelangen?

Die Terrassenmauern östlich vom icr/eyaov* 1 haben wir
im vorigen Abschnitt studiert und gesehen, dass jenes sich
nahe den syrakusanischen Weihungen gewissermassen in
eine obere und eine untere Linie zerlegt, die den Neoptole-
mos-Bezirk umschliessen. Die übrige vStrecke des ioyveyaov ist
in einem Guss entstanden und viel einheitlicher gestaltet. Es
schliesst unmittelbar an die westliche Temenosmauer an 2,

den hervorkommender Fels lägen. Dazu teilt er eine Vermutung von Ho-
molle mit: the spring originally issued from under the rock, behind tke
wall, and its course has been changed by one of the earthquakes whicli
are so common at Delphi. Wenn wir aber mit Pomtow, Homolle, Frazer
darin übereinstimmen, dass die moderne Quelle mit der antiken nicht mehr
übereinstimmt, so muss die Untersuchung einen anderen Weg gehen.

1 Der einzige Versuch einer Beschreibung des lo%eyaov findet sich in
Pomtows Abhandlung über den Wagenlenker (Münch. Sitz.-Ber. 1907,242);
dort auch eine Planskizze des zu behandelnden Terrains (S. 243), vor allem
aber einige Photographien (Tafel I-IV). Wichtige Bemerkungen von Ho-
molle, BCH. XX 1896, 690.

2 Keramopullos auf dem Plan seines "OSqyög hat richtig erkannt, dass
die Nordwand des römischen Hauses (sog. Pythia-Hauses) von jener alten
Porosmauer gebildet wird; allerdings ist der Eintrag auf seinem Plan
ungenau. Die übrigen Pläne (auch der spätere von Pomtow) hatten das
übersehen.—Die technischen Verschiedenheiten der einzelnen Strecken des
lö'/Jyaov, die trotzdem offenbar zur gleichen Zeit entstanden sind, mögen
sich zum Teil aus der Vergebung an mehrere Unternehmer erklären, besser

aber aus der Verschiedenheit des verwendeten Materials. Porosquadern
waren für die Delphier teuer, weil sie von weit her kamen; vermutlich stam-
men die hier verwendeten Porosquadern von dem zerstörten Alkmäoniden-
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