Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 261
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HEILIGE STÄTTEN IN DELPHI

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Wir haben also festgestellt, dass seit der Mitte des IV.
Jahrh. (Archon Aristoxenos) ein gewölbter Durchgang in den
hinter dem loxeyotov liegenden Raum führte und dass in römi-
scher Zeit (eine genauere Datierung erlaubt das Mörtelwerk
nicht) in dem Durchgang ein Brunnenhaus angelegt wurde,
womit jener Raum unzugänglich wurde. Nun endlich können
wir zu Pausanias zurückkehren, der ja nördlich des Tempels
durchgegangen sein muss: ioügi 8e ä>g em röv vaöv avßig peta
ton Vüou rrjv üsav early fj Kaaaorlg xcdoopevr] yrj, reixog öe on
peya etc0 anrr] xal f| avoöog 8ioc ton reixopg sotiv ercl tf)v jtr]yfjv.
Da ist doch, meine ich, alles sonnenklar: Pausanias geht
durch das loyeyaov hindurch (öia ton teixong) und kommt dann
zu der etwas höher liegenden Kassotis! Zu seiner Zeit war
also der Durchgang noch frei, und das Brunnenhaus lag
nördlich davon nahe der Mauer1; erst nach Pausanias wurde
der Raum hinter der Mauer durch neue Felsmassen ver-
schüttet und zugleich der Oberteil der Stützwand beschädigt;
damals hat man das Brunnenhaus etwas weiter vorwärts ver-
legt, und zwar in den ehemaligen Durchgang.

Somit ist die ungefähre Lage des von Pausanias gesehe-
nen Brunnenhauses gegeben; es lag in dem durch das igxs-
yaov abgetrennten Raum, in dem Pomtow das 'ursprüngliche
Poseidonion’ vermutete2. Dieser Platz kann rund 8 m tief
und über 40 m breit gewesen sein ; er reichte nach Westen
bis zu der Stelle, wo die Wagenlenkerstatue gefunden wurde
(sie ist also erst nach Pausanias dorthin gekommen!), im

1 Die Worte xelxog oü peya gehen offenbar auf die Höhe. Nun beträgt
am Ostende der Unterschied zwischen der Sohle der Mauer und der Basis
des thessalischen Weihgeschenks sieben Meter (vgl. die Nivellementszah-
len in dem Plane Fouilles IV T. 5); genau so hoch muss ah o dort die
Mauer gewesen sein. Ein retxog der hellenistischen Zeit soll aber minde-
stens neun Meter hoch sein (20 Ellen : Philon mech. synt. ed. R. Schoene
p. 80, 25) und es gab auch solche von 13,5 Metern (30 Ellen: Polybios
IV 83) und höhere (vgl. H. Droysen, Heerwesen und Kriegführung der
Griechen 253 A. 2). Im Verhältnis zu solchen Bauten ist das delphische
telxo? wirklich ou peya.

2 Aus der Bauinschrift BCH. XXVI 1902, 65 ergibt sich, dass nördlich
vom Apollon-Tempel das Poseidonion lag; vgl. Bourguet ebendort 75.
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